Performance Max: Unternehmensprofil als Zielseite meiden
In Performance Max lässt sich statt deiner Website das Google Unternehmensprofil als Zielseite hinterlegen, also eine von Google gebaute Seite mit Öffnungszeiten, Fotos und Bewertungen. Anrufe und Lead-Formulare misst Google dort automatisch. Für Leadgenerierung rate ich trotzdem ab, weil der Anfragende dann die Informationen nicht gesehen hat, die ihn zu einer brauchbaren Anfrage machen.
Wenn du in Performance Max eine Kampagne aufsetzt, kannst du wählen, wohin der Klick geht. Neben deiner Website steht dort dein Google Unternehmensprofil, in der englischen Oberfläche als “Google Business Profile (optimized for ads)”. Der Klick landet dann auf einer Seite, die Google baut und betreibt. Aufgefallen ist die Option der PPC-Spezialistin Natasha Kaurra am 17. September 2026.
Das klingt nach einer Abkürzung für alle, deren Website nie fertig wird. Bei Leadgenerierung ist es die falsche Abkürzung, und zwar aus einem Grund, der nichts mit der Technik zu tun hat.
Warum ich bei Leadgenerierung abrate
Performance Max ist für Leadgenerierung ohnehin der schwierigere Kampagnentyp. Google bekommt dort weniger brauchbare Signale als bei einer Suchkampagne und optimiert im Zweifel auf die Menge der Formularabsendungen, nicht auf ihre Brauchbarkeit. Wer damit arbeitet, muss die Qualität von seiner Seite aus nachschärfen.
Genau dieser Weg wird schmaler, wenn der Klick auf einer Profilseite endet. Aus der Praxis ist das Muster eindeutig: Wenn jemand die Website nicht richtig gesehen hat und nicht alle Informationen hatte, ist die Anfrage im Schnitt schlechter. Er weiß nicht, was die Leistung umfasst, kennt die Preislage nicht, hat die Referenzen nicht gesehen und schreibt trotzdem. Im Konto sieht das gut aus, im Postfach nicht.
Eine Profilseite zeigt Öffnungszeiten, Fotos und Bewertungen. Sie zeigt nicht, für wen du arbeitest, was ein Auftrag ungefähr kostet, welche Fälle du nicht annimmst. Das sind die Sätze, die unpassende Anfragen abhalten, bevor sie entstehen.
Mehr Anfragen bei gleicher Kampagne sehen zuerst wie ein Erfolg aus. Smart Bidding lernt aus diesen Conversions weiter und sucht danach mehr Menschen, die sich genauso verhalten. Wenn ein Teil dieser Anfragen unbrauchbar ist, optimiert die Kampagne über Wochen in die falsche Richtung, und das fällt erst auf, wenn der Umsatz der Anfragezahl nicht folgt.
Was Performance Max mit dem Unternehmensprofil kann
Google zeigt statt deiner Website eine Profilseite, die es selbst aus deinem Unternehmensprofil zusammenbaut. Darauf stehen laut der Google-Hilfe Standort, Telefonnummer, Öffnungszeiten, Fotos und Rezensionen. Voraussetzung ist ein bestätigtes Unternehmensprofil, das mit deinem Google-Ads-Konto verknüpft ist. Die Option gibt es ausschließlich in Performance Max, in keinem anderen Kampagnentyp.
Zwei Conversion-Aktionen zählt Google dort nach eigener Angabe automatisch, nämlich Telefonanrufe und ausgefüllte Lead-Formulare. Das ist der eine echte Vorzug. Wer heute eine Website ohne funktionierendes Conversion-Tracking betreibt, misst gar nichts und bietet blind. Über die Profilseite kommen Anrufe und Formulare sauber im Konto an, ohne Tag Manager und ohne dass jemand an der Website arbeiten muss.
Was Google nicht misst, ist alles andere. Wie lange jemand auf der Seite war, welche Leistung ihn interessiert hat, woran er abgesprungen ist. Diese Informationen sind der Rohstoff, aus dem eine Seite über Monate besser wird. Auf einer Seite, die dir nicht gehört, entsteht er nicht.
Ist die Option in Deutschland verfügbar?
Googles Hilfeseite nennt keine Länderbeschränkung, keinen Beta-Status und keine Marktliste. Die einzige Bedingung dort ist die Verknüpfung mit einem Unternehmensprofil. Die Seite gibt es auf Deutsch, und sie beschreibt laufende Erweiterungen der Funktion im Jahr 2025, die Sache ist also älter als der Fund vom September.
Belegen lässt sich die Verfügbarkeit hierzulande damit trotzdem nicht. Die Beobachtung stammt aus dem US-Raum, und eine Ankündigung für Deutschland gibt es nicht. Ob die Wahl in deinem Konto steht, siehst du am schnellsten selbst, wenn du den Kampagnenaufbau in Performance Max öffnest.
Womit du das vergleichen musst
Google selbst formuliert die Grenze in der Hilfe deutlich. Die Profilseite sei “kein Ersatz für die Website Ihres Unternehmens”. Das ist ein ungewöhnlich klarer Satz für eine Produktdokumentation.
Wann die Option trotzdem passt
Es gibt zwei Lagen, in denen ich nicht abraten würde.
Die erste ist der reine Anruf-Betrieb, bei dem am Telefon ohnehin alles geklärt wird. Ein Schlüsseldienst, eine Rohrreinigung, eine Werkstatt mit Terminvergabe. Dort steckt die Qualifizierung im Gespräch, und die Website trägt dazu wenig bei. Ein gepflegtes Google Unternehmensprofil mit Bewertungen erfüllt denselben Zweck.
Die zweite ist ein befristeter Notbehelf. Wenn die Website gerade umgebaut wird oder in einem Zustand ist, den man niemandem zeigen möchte, ist die Profilseite die bessere von zwei schlechten Möglichkeiten. Dann aber mit einem Datum im Kalender, an dem die Sache endet.
Wenn du es ausprobierst, dann als Messung und nicht auf Dauer. Läuft eine zweite Kampagne über das Profil und bringt sie deutlich mehr Anrufe als die über deine Website, sagt dir das etwas Unangenehmes über deine Seite. Schau dir dann aber die Anfragen selbst an, nicht ihre Zahl im Konto. Genau da trennt sich, ob die Profilseite geholfen oder nur die Hürde gesenkt hat.
Was stattdessen zählt
Die Arbeit, die in beiden Fällen wirkt, ist dieselbe. Ein Unternehmensprofil mit aktuellen Bewertungen, richtigen Öffnungszeiten und echten Fotos zahlt auf jede lokale Suche ein, unabhängig von dieser Einstellung. Und eine lokale Landingpage, die zur Suchanfrage passt und die wichtigsten Fragen vorab beantwortet, schlägt eine Profilseite, die für alle Anfragen gleich aussieht.
Wie du eine lokale Kampagne im Übrigen aufbaust, steht im Beitrag zur lokalen Kundenoptimierung in Performance Max. Welche Grundlagen sonst im Konto stimmen sollten, steht im Überblick zu Google Ads für kleine Unternehmen.
Häufige Fragen
Sollte ich das Unternehmensprofil als Zielseite nutzen?
Bei Leadgenerierung rate ich ab. Wer die Anzeige anklickt und danach nur Kontaktdaten und Bewertungen sieht, schickt im Schnitt schlechtere Anfragen als jemand, der vorher gelesen hat, was du machst und für wen. Bei Betrieben, die alles am Telefon klären, ist die Option vertretbar.
Brauche ich für Performance Max überhaupt noch eine Website?
Ja, in den meisten Fällen. Google schreibt in der eigenen Hilfe, dass die Profilseite kein Ersatz für die Website ist. Sie deckt Anruf und Lead-Formular ab, alles darüber hinaus nicht.
Welche Conversions misst Google auf der Profilseite?
Nach Angabe von Google werden Telefonanrufe und ausgefüllte Lead-Formulare automatisch zugeordnet. Andere Handlungen, etwa ein Klick auf eine bestimmte Leistung oder das Verhalten auf der Seite, stehen dir nicht zur Verfügung.
Gibt es die Option in allen Kampagnentypen?
Nein. Die Google-Hilfe nennt ausschließlich Performance Max-Kampagnen, die mit einem Unternehmensprofil verknüpft sind. In Suchkampagnen und in Demand Gen gibt es diese Wahl nicht.
Was passiert mit meinen bestehenden Kampagnen?
Nichts. Die Option ist eine zusätzliche Wahl beim Aufbau und stellt nichts um. Bestehende Kampagnen laufen weiter auf die hinterlegten Ziel-URLs, solange du nichts änderst.
Läuft Google Ads bei dir schon so, wie es könnte?
Benjamin Häntzschel
Google Ads, KI & Conversion-Optimierung