GA4 warnt jetzt, wenn Google Ads Parameter fehlen
Google Analytics zeigt seit Ende Juli eine neue Diagnose an, wenn die Parameter GBRAID und gad_ aus deinen Klick-URLs verschwinden. Die Warnung listet die betroffenen Adressen auf, statt dich raten zu lassen. Hier erfährst du, was diese Parameter überhaupt tun, welche typischen Bausteine auf einer Website sie abschneiden und wie du prüfst, ob dein Konto betroffen ist.
Es gibt ein Phänomen, über das früher oder später fast jeder stolpert, der Google Ads und Google Analytics parallel nutzt. In Google Ads stehen sauber 300 Klicks. In Analytics tauchen davon deutlich weniger als bezahlte Sitzungen auf. Der Rest landet unter organisch oder unter der wenig hilfreichen Bezeichnung “(not set)”.
Die häufigste Ursache dafür ist banal und ärgerlich zugleich. Google hängt an jeden Klick Parameter an, die den Besuch später wieder der richtigen Kampagne zuordnen. Irgendetwas auf dem Weg zur Seite wirft diese Parameter weg. Bisher musste man das selbst herausfinden. Seit Ende Juli meldet Analytics es von sich aus.
Was zeigt die neue Diagnose genau an?
Analytics prüft, ob die Parameter GBRAID und gad_ noch vorhanden sind, wenn ein Besucher auf deiner Seite ankommt. Fehlen sie, erscheint ein Hinweis im Datenqualitäts-Bereich der Berichte, samt einer Liste der konkreten URLs, bei denen es passiert. Du bekommst also nicht nur die Information, dass etwas nicht stimmt, sondern auch, wo.
Das klingt nach einer Kleinigkeit, spart in der Praxis aber viel Sucherei. Wer bisher den Verdacht hatte, dass Parameter verloren gehen, musste sich durch Weiterleitungsketten klicken und einzelne Landingpages von Hand testen. Jetzt steht die Adresse direkt da.
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Was sind GBRAID und gad_ überhaupt?
Die klassische Klick-Kennung heißt GCLID. Sie hängt an der URL, sobald jemand auf deine Anzeige klickt, und ist der Faden, an dem Google später Klick und Conversion zusammenknüpft.
Daneben gibt es inzwischen weitere Kennungen, die dasselbe Ziel verfolgen, aber weniger über den einzelnen Nutzer verraten. GBRAID ist so eine aggregierte Kennung, die vor allem dort greift, wo aus Datenschutzgründen keine individuelle Zuordnung möglich ist, etwa bei Klicks aus dem iOS-Umfeld. Die gad_-Parameter, also gad_source und gad_campaignid, transportieren zusätzlich die Information, aus welcher Quelle und welcher Kampagne der Klick stammt.
Alle drei haben gemeinsam, dass sie nur funktionieren, wenn sie den Weg bis zu deiner Seite überstehen. Verschwinden sie unterwegs, sieht Analytics einen Besucher, der scheinbar aus dem Nichts kommt.
Warum verschwinden die Parameter überhaupt?
Fast immer steckt kein Fehler in Google Ads dahinter, sondern etwas auf deiner eigenen Seite. Die üblichen Verdächtigen lassen sich gut eingrenzen.
Weiterleitungen sind der häufigste Grund. Wenn deine Anzeige auf eine Adresse ohne www zeigt, deine Seite aber auf die Variante mit www umleitet, oder wenn eine alte URL noch auf die neue Seite weiterleitet, dann kommt es darauf an, wie diese Weiterleitung eingerichtet ist. Manche schleifen die Parameter sauber durch, andere werfen alles hinter dem Fragezeichen weg.
Der zweite große Block sind Consent- und Cookie-Tools. Einige davon bauen die URL neu zusammen, sobald der Besucher seine Auswahl trifft, und räumen dabei “unnötige” Parameter weg. Das ist gut gemeint und richtet trotzdem Schaden an.
Dazu kommen Server- und CDN-Regeln, die aus Performance-Gründen aufräumen, sowie CMS-Erweiterungen, die auf saubere Adressen ohne Anhängsel optimieren. Und schließlich gibt es den Klassiker, bei dem die hinterlegte Ziel-URL selbst auf eine Zwischenseite zeigt, die dann per JavaScript weiterschickt.
Der schnellste Selbsttest kostet dich zwei Minuten und kein Werkzeug. Nimm eine deiner Landingpages, häng testweise ?gclid=test123&gad_source=1 an die Adresse und ruf sie auf. Schau danach in die Adresszeile deines Browsers. Steht dort noch der komplette Anhang, ist der Weg frei. Ist er weg oder verkürzt, hast du deine Ursache gefunden, und zwar bevor die Diagnose in Analytics überhaupt anschlägt.
Was das für dein Konto bedeutet
Zwei Dinge leiden, wenn die Parameter unterwegs verloren gehen, und beide sind unangenehm.
Das Offensichtliche ist die Auswertung. Deine Analytics-Berichte schreiben einen Teil des bezahlten Traffics der organischen Suche oder gar keiner Quelle zu. Damit sieht Google Ads teurer aus, als es ist, und organische Sichtbarkeit besser. Wer auf dieser Basis Budgets verschiebt, entscheidet auf verzerrten Zahlen.
Das Unangenehmere passiert im Hintergrund. Smart Bidding lernt aus dem Zusammenhang zwischen Klick und Ergebnis. Kommen Conversions ohne saubere Zuordnung an, fehlt dem System ein Teil dieses Zusammenhangs. Es steuert dann auf einer dünneren Datenbasis, was sich nicht als Fehlermeldung zeigt, sondern schleichend in der Leistung. Gerade Konten mit ohnehin wenigen Conversions im Monat, also viele Handwerksbetriebe, lokale Dienstleister, Praxen oder auch beratungsintensive Anbieter, spüren das deutlicher als große Shops mit viel Volumen.
Wo du nachschaust und was du dann tust
Die Diagnose findest du in Analytics im Bereich der Datenqualitäts-Hinweise innerhalb der Berichte. Sie erscheint nur, wenn tatsächlich Parameter fehlen, taucht bei dir also nichts auf, ist das erst einmal ein gutes Zeichen.
Wenn doch etwas gemeldet wird, geh der Sache in dieser Reihenfolge nach. Ruf die genannte URL mit angehängten Testparametern auf und schau, ob und an welcher Stelle sie verschwinden. Prüf danach, ob zwischen Anzeigen-Ziel und tatsächlicher Seite eine Weiterleitung liegt, und wenn ja, ob sie die Parameter mitnimmt. Schau anschließend in dein Consent-Tool, ob dort eine Funktion zum Bereinigen von URLs aktiv ist. Wenn du bis dahin nichts gefunden hast, ist es Zeit, denjenigen zu fragen, der deinen Server oder dein CMS betreut.
Nach einer Korrektur brauchst du etwas Geduld. Google gibt für solche Änderungen einen Zeitraum von ein bis zwei Tagen an, bis sie sich in den Daten zeigen.
Wo die Diagnose an ihre Grenzen stößt
Ein ehrlicher Hinweis gehört dazu. Die Diagnose sagt dir, bei welchen Adressen Parameter fehlen. Sie sagt dir nicht, welcher Baustein sie abschneidet. Die eigentliche Ursachensuche bleibt Handarbeit, und je nachdem, wie viele Werkzeuge auf deiner Seite mitmischen, kann das dauern.
Außerdem betrifft die Meldung nur die aggregierten Kennungen. Ein Konto, bei dem stattdessen die GCLID verloren geht, hat dasselbe Problem, taucht in dieser speziellen Diagnose aber nicht zwingend auf. Der Selbsttest mit angehängten Parametern deckt beide Fälle ab und ist deshalb der ehrlichere Check.
Trotzdem ist die Neuerung ein echter Fortschritt. Parameter-Verlust gehört zu den Problemen, die still passieren, keine Fehlermeldung produzieren und trotzdem über Monate Geld kosten, weil sie die Grundlage aller weiteren Entscheidungen verfälschen. Dass Google so etwas jetzt von sich aus meldet, statt es dem Zufall zu überlassen, ist überfällig gewesen.
Deine Checkliste
Empfohlener Ablaufplan für die Umsetzung:
- Datenqualitäts-Hinweise prüfen. Schau in deiner Analytics-Property nach, ob die neue Diagnose zu fehlenden Parametern anschlägt.
- Selbsttest machen. Ruf deine wichtigsten Landingpages mit angehängten Testparametern auf und kontrollier, ob sie in der Adresszeile überleben.
- Weiterleitungen kontrollieren. Prüf, ob zwischen Anzeigen-Ziel und tatsächlicher Seite eine Umleitung liegt und ob sie die Parameter durchreicht.
- Consent-Tool durchsehen. Suche nach Einstellungen, die URLs bereinigen oder neu aufbauen, und schalte sie für diese Parameter ab.
- Nachkontrolle einplanen. Schau ein bis zwei Tage nach der Korrektur erneut in die Berichte, ob der Anteil bezahlter Sitzungen wieder passt.
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