Google Tag Manager und gtag: Tracking kann ausfallen
Google hat angekündigt, dass Tag-Manager-Snippets künftig keine gtag(‘config’)-Befehle mehr erkennen und nicht mehr auf sie warten. Wer beides parallel auf der Seite hat, riskiert, dass Conversions nicht mehr gemessen werden. Betroffen sind vor allem Websites, an denen über Jahre mehrere Leute etwas eingebaut haben. Die Prüfung dauert zwei Minuten, der Fix ist überschaubar.
Der Fall trifft eine Sorte Website besonders hart, nämlich die gewachsene. Erst hat jemand den Google-Ads-Code direkt ins Theme gesetzt, ein Jahr später kam der Tag Manager dazu, und weil danach alles funktionierte, hat niemand aufgeräumt. Genau diese Doppelung stuft Google jetzt als nicht unterstützt ein. Wie ein sauberes Fundament aussieht, steht im Conversion-Tracking-Leitfaden.
Was genau ändert Google?
In der Hilfe zum Tag Manager steht, dass gtm.js-Snippets künftig keine gtag(‘config’)-Befehle mehr erkennen oder auf sie warten. Als nicht unterstützt gilt dabei die Kombination, bei der eine Nicht-Container-ID mit den Präfixen G-, AW- oder DC- über den Tag-Manager-Pfad geladen und anschließend per gtag(‘config’) konfiguriert wird. Wer gtag(‘config’) nutzen will, soll laut Google das normale Google-Tag-Snippet einsetzen.
Der Umbau läuft seit dem Frühjahr. Google hat ihn am 20. Mai 2026 unter dem Titel “Änderungen an Google Tag und Google Tag Manager” angekündigt, und die Release Notes vom 9. Juli 2026 haben nachgeschoben, wie sich Container künftig verhalten. Container mit einer echten GTM-ID bleiben unbeschränkt, produktspezifische IDs wie G- oder AW- lassen künftig nur noch Tags und Variablen von Google selbst zu.
Das passt in dieselbe Linie wie die Migration vom AW-Tag zum GT-Tag und die Funktionen, die vom Tag Manager in den Google Tag wandern. Google räumt seit Monaten in der eigenen Tag-Landschaft auf, und Mischformen aus zwei Zeitaltern fallen dabei durchs Raster.
Wann tritt die Änderung in Kraft?
Hier lohnt ein genauer Blick, weil im Netz gerade eine Zahl kursiert, die Google selbst nicht bestätigt. Mehrere Fachquellen nennen den 2. Oktober 2026 als Stichtag. In der offiziellen Hilfe steht an dieser Stelle nur “soon”, in den Release Notes vom 9. Juli taucht das Datum nicht auf, und in den Ankündigungen findet es sich ebenfalls nicht.
Für die Praxis ändert das wenig. Ein Termin, der von mehreren Seiten genannt wird und nur zwei Wochen entfernt liegt, ist Grund genug, jetzt hinzusehen. Der Fix kostet wenig und ist auch dann richtig, wenn Google sich noch Zeit lässt.
Woran erkennst du, ob deine Seite betroffen ist?
Die Prüfung geht ohne Entwickler. Google nennt in der Hilfe zwei Wege, den Tag Assistant und die Entwicklerwerkzeuge im Browser.
Öffne deine Startseite, drücke F12, wechsle auf den Reiter “Netzwerk” und lade die Seite neu. Tippe ins Filterfeld “googletagmanager”. Jetzt siehst du, über welchen Pfad deine Tags geladen werden.
Entscheidend ist die Kombination aus Pfad und ID. Eine Anfrage an gtm.js mit einer ID, die mit GTM- beginnt, ist ein normaler Container und in Ordnung. Eine Anfrage an gtm.js mit einer ID, die mit G-, AW- oder DC- beginnt, ist der Fall, den Google als nicht unterstützt bezeichnet.
Öffne den Seitenquelltext mit Strg+U und suche nach gtag(‘config’. Findest du diese Zeile und läuft gleichzeitig ein Tag-Manager-Container auf der Seite, gehört dein Setup auf den Prüfstand.
Wer lieber klickt als liest, nimmt den Tag Assistant von Google. Er zeigt dieselbe Information in aufgeräumter Form, inklusive der Tags, die auf der Seite gefunden wurden.
Welche Setups sind betroffen und welche nicht?
Nicht jede Seite mit Tag Manager hat ein Problem. Die Trennlinie verläuft dort, wo die beiden Systeme sich gegenseitig brauchen sollen.
Der Punkt, der in der Praxis am häufigsten auftaucht, steht in der rechten Spalte unten. Bei Websites, an denen mehrere Dienstleister nacheinander gearbeitet haben, liegt der alte Code oft noch im Theme-Header, während der Container längst dasselbe misst. Solange beide Systeme unabhängig voneinander funktionieren, fällt das nicht auf. Sobald eins auf das andere wartet, bricht es.
Was du tun kannst
Google beschreibt einen Weg, und in der Praxis gibt es einen zweiten.
Der offizielle Weg führt weg vom Mischsetup. Du holst dir die Tag-ID aus Google Ads oder Analytics, setzt das passende gtag.js-Snippet direkt hinter das öffnende head-Tag, und entfernst das Tag-Manager-Snippet samt der zugehörigen einzelnen Befehle. Danach prüfst du im Netzwerk-Reiter, ob die Anfrage jetzt an googletagmanager.com/gtag/js geht statt an /gtm.js.
Der zweite Weg führt in die andere Richtung, nämlich vollständig in den Container. Google hat dafür einen Trigger namens “gtm init” eingeführt, über den sich das Initialisierungsverhalten einstellen lässt. Er kann so konfiguriert werden, dass er auf den config-Befehl wartet, wenn du die bisherige Einrichtung erhalten willst. Neue Snippets liefert Google ohne diesen Befehl aus.
Wer die Wahl hat, entscheidet sich für eine Seite und nicht für einen Kompromiss. Entweder alle Messungen laufen über den Container, oder alle über den Google Tag. Zwei Systeme, die sich dieselbe Conversion teilen, erzeugen genau zwei Fehlerbilder, nämlich Doppelzählung und Ausfall, und beide sehen im Bericht harmlos aus. Wenn du umbaust, lass die alte Conversion-Aktion eine Woche als sekundäre Aktion mitlaufen und vergleiche die Zahl mit dem, was tatsächlich im Postfach ankommt.
Warum ein stiller Ausfall teurer ist als ein lauter
Ein kaputtes Tracking meldet sich nicht. Die Kampagne läuft weiter, das Budget wird ausgegeben, und in den Berichten stehen weniger Conversions als vorher. Wer das für einen schlechten Monat hält, dreht am falschen Rad.
Für die Gebotsstrategie ist das der eigentliche Schaden. Smart Bidding lernt aus den Conversions, die ankommen. Fehlen sie, senkt das System die Gebote für genau die Suchanfragen, die vorher funktioniert haben. Wie du prüfst, ob die Signale wirklich ankommen, steht im Beitrag zu den Consent-Mode-Diagnostics. Die Warnung, die Google bei einem ausbleibenden Datenstrom im Konto anzeigt, ist im Beitrag zu fehlenden Tag-Daten beschrieben.
Deshalb lohnt der Blick jetzt, solange die Umstellung noch nicht durch ist. Eine Prüfung im laufenden Betrieb ist deutlich billiger als eine Ursachensuche in vier Wochen, wenn die Zahlen schon eingebrochen sind. Wenn du dabei ohnehin im Tracking unterwegs bist, ist der Conversion-Tracking-Leitfaden der passende Ausgangspunkt für den Rest.
Häufige Fragen
Muss ich den Google Tag Manager jetzt entfernen?
Nein. Ein Container mit einer GTM-ID ist von der Änderung nicht betroffen und bleibt der richtige Weg für alles, was eigene Logik, dynamische Werte oder fremde Tools braucht. Zur Debatte steht nur die Mischform, bei der eine Google-Tag-ID über den Container-Pfad geladen und per gtag(‘config’) konfiguriert wird.
Wie erkenne ich den Unterschied zwischen gtm.js und gtag/js?
Beide Dateien liegen auf googletagmanager.com, unterscheiden sich aber im Pfad. Im Netzwerk-Reiter der Entwicklerwerkzeuge siehst du entweder eine Anfrage an /gtm.js oder an /gtag/js, jeweils mit der Tag-ID als Parameter. Die Kombination aus /gtm.js und einer ID mit dem Präfix G-, AW- oder DC- ist die problematische.
Was passiert, wenn ich nichts tue?
Sobald Google die Umstellung ausrollt, initialisiert das Container-Snippet beim Laden und wartet nicht mehr auf den config-Befehl. Tags, die auf diesen Befehl angewiesen sind, können dadurch früher, später oder gar nicht auslösen. Ob und wie stark dich das trifft, hängt davon ab, wie dein Setup aufgebaut ist.
Gilt der 2. Oktober 2026 als Stichtag?
Das Datum wird von mehreren Fachquellen genannt, steht aber weder in Googles Hilfeartikel noch in den Release Notes oder Ankündigungen. Dort ist nur von “soon” die Rede. Wer die Prüfung in den nächsten Wochen erledigt, ist unabhängig vom genauen Termin auf der sicheren Seite.
Ändert sich dadurch etwas an meinem Cookie-Banner?
Nein. Die Einwilligung bleibt Pflicht, und der Consent Mode bleibt der Weg, auf dem die Signale übergeben werden. Die Änderung betrifft die technische Reihenfolge beim Laden der Tags, nicht die rechtliche Grundlage für das Messen.
Kann ich das selbst umbauen oder brauche ich jemanden dafür?
Die Prüfung schafft jeder in wenigen Minuten. Der Umbau hängt davon ab, wie viel im Container hängt. Bei einer Website mit Kontaktformular und Telefonnummer ist es ein überschaubarer Eingriff, bei einem Shop mit Warenkorbwerten, mehreren Zahlungswegen und fremden Pixeln gehört jemand daran, der das Setup vorher versteht.
Verlierst du mit Google Ads mehr Geld, als du solltest?
Benjamin Häntzschel
Google Ads, KI & Conversion-Optimierung