Claude vs. ChatGPT: was ins Unternehmen gehört
Für den Betrieb entscheidet nicht, welches Modell im Test besser abschneidet, sondern welches Konto deine Leute benutzen, ob ein Auftragsverarbeitungsvertrag dahintersteht und wofür ihr das Werkzeug einsetzt. Beide Anbieter bieten Geschäftstarife mit Vertrag und ohne Training auf euren Daten an. Der Unterschied liegt im Alltag, nicht im Datenblatt.
Die meisten Vergleiche zu diesen beiden Werkzeugen beantworten eine Frage, die im Betrieb keine Rolle spielt, nämlich welches Modell in Testaufgaben vorn liegt. Diese Rangfolge wechselt mehrmals im Jahr, manchmal innerhalb weniger Wochen. Wer eine Entscheidung darauf gründet, entscheidet für ein halbes Jahr.
Die Fragen, an denen es im Betrieb tatsächlich hängt, sind andere. Wer arbeitet damit, mit welchen Daten, unter welchem Vertrag, und was passiert mit dem, was dabei entsteht.
Worin sich die beiden im Alltag unterscheiden
Die letzte Zeile ist die wichtigste und zugleich die, die in Vergleichen am häufigsten fehlt. Bei den Grundlagen nehmen sich die Geschäftstarife wenig, beide bringen einen Auftragsverarbeitungsvertrag mit und trainieren nicht auf euren Inhalten. Unterschiede gibt es bei den Verwaltungsfunktionen darüber, etwa bei Aufbewahrungsfristen, Rechteverwaltung und Speicherort, und sie wachsen mit der Tarifstufe. Für einen Betrieb mit fünf bis fünfzig Leuten entscheidet trotzdem zuerst etwas anderes, nämlich ob eure Leute im Firmenkonto arbeiten oder in ihrem privaten.
Was die beiden im Alltag konkret erledigen
Damit der Vergleich greifbar wird, hier die Aufgaben, die in kleinen Betrieben tatsächlich anfallen, und wie sich die beiden dabei verhalten.
Ein Angebot aus Stichpunkten schreiben. Können beide, und der Unterschied liegt nicht im Ergebnis, sondern darin, wie ihr eure Vorlagen hinterlegt. Beide bieten dafür Projekte oder Ordner, in denen Anweisungen und Beispieltexte dauerhaft liegen. Wer das nicht einrichtet, tippt bei jedem Angebot dieselben Vorgaben neu.
Ein Protokoll aus einer Aufzeichnung zusammenfassen. Auch das können beide. Der praktische Unterschied entsteht davor: Wie kommt die Aufzeichnung überhaupt hinein, und darf sie das. Bei einem Mandantengespräch oder einem Personalgespräch ist das keine Werkzeugfrage mehr.
Eine Tabelle auswerten. Können inzwischen beide, und zwar richtig: Beide führen dafür im Hintergrund Code aus, statt die Zahlen nur zu beschreiben, und liefern Diagramme und fertige Dateien zurück. Das war lange ein Unterschied und ist heute keiner mehr.
Einen langen Vertrag prüfen. Beide lesen lange Dokumente. Worauf es ankommt, ist, ob eine Stelle mitten im Dokument zuverlässig gefunden wird und nicht nur Anfang und Ende. Wenn das bei euch regelmäßig vorkommt, ist das der Punkt, an dem ihr mit euren eigenen Unterlagen vergleichen solltet, statt einem Test im Netz zu glauben.
Auf immer gleiche Anfragen antworten. Können beide. Eine hinterlegte Anweisung im Projekt reicht als Grundlage, richtig gut wird es mit zwei, drei Beispielen eurer besten Antworten. Ohne beides entstehen höfliche, allgemeine Texte, die niemand abschickt.
Recherchieren. Beide bieten eine mehrstufige Recherche mit Quellenangaben an. Für Marktbeobachtung, Wettbewerb oder das Sichten von Förderprogrammen ist das der Unterschied zwischen einer Antwort und einer nachprüfbaren Antwort, und den bekommst du bei beiden.
Keines der beiden Werkzeuge weiß, was in eurem Betrieb gilt, solange ihr es nicht hinterlegt. Preise, Zuständigkeiten, Formulierungen, die ihr nicht benutzt. Beide können im Zweifel etwas Plausibles erfinden, statt nachzufragen, und man sieht es dem Ergebnis nicht an. Und beide ersetzen keine fachliche Prüfung: Ein Vertragsentwurf, eine Abrechnung oder eine rechtliche Einschätzung geht durch einen Menschen, bevor sie hinausgeht.
Was es kostet
Die Geschäftstarife beider Anbieter beginnen bei rund 25 bis 30 € je Person und Monat, bei jährlicher Zahlung etwas weniger. Darüber gibt es bei beiden teurere Stufen mit mehr Kontingent und mehr Verwaltungsfunktionen, die den Betrag vervielfachen können. Genaue Beträge nenne ich hier nicht, weil sie sich häufiger ändern als dieser Text; sie stehen bei beiden Anbietern offen auf der Preisseite.
Interessanter ist die Rechnung dahinter. Bei fünf Personen im Einstiegstarif liegt ihr im Jahr im niedrigen vierstelligen Bereich. Das ist die Größenordnung eines guten Bürostuhls je Person. Die Frage ist damit nicht, ob ihr euch das leisten könnt, sondern ob die Zeit, die dabei herauskommt, tatsächlich in etwas anderes fließt oder nur den Tag ausfüllt.
Was in der Rechnung meistens fehlt, ist die Einrichtung. Vorlagen hinterlegen, Zugänge verteilen, zwei, drei Abläufe festziehen und dem Team zeigen, wie es geht. Das ist der Teil, an dem es scheitert, und er kostet keine Lizenzgebühr, sondern Aufmerksamkeit.
Welcher Betrieb nimmt was
Wenn beide Spalten je zur Hälfte auf dich zutreffen, ist das kein Patt, sondern der Normalfall. Dann entscheidet, was in der Liste oben schwerer wiegt, und die Antwort darauf kennt niemand außer dir.
Was für ein Firmen-Setup wirklich zählt
Drei Dinge entscheiden, und keines davon steht im Modellvergleich.
Das Konto. Ein privates Konto bleibt ein privates Konto, auch wenn jemand damit Firmenarbeit erledigt. Der Vertrag deines Unternehmens greift dort nicht, und beim Ausscheiden nimmt die Person alles mit, was darin liegt. Das ist der häufigste Fehler in kleinen Betrieben, und er kostet nichts zu beheben.
Der Vertrag. Beide Anbieter stellen für ihre Geschäftstarife einen Auftragsverarbeitungsvertrag bereit. Welche Pläne das genau umfasst und was darin steht, habe ich für beide getrennt aufgeschrieben, für Claude und für ChatGPT. Wer damit Mandanten-, Patienten- oder Personaldaten verarbeitet, liest diese beiden Texte vor der Entscheidung, nicht danach.
Die Daten, die hineingehen. Kein Vertrag der Welt ersetzt die Frage, was ihr überhaupt eingebt. Ein Berufsgeheimnisträger hat hier engere Grenzen als ein Handwerksbetrieb, und diese Grenze verläuft bei beiden Anbietern gleich.
Wenn du dich zwischen beiden nicht entscheiden kannst, ist das oft ein Zeichen dafür, dass die Frage noch zu früh kommt. Sinnvoller ist, zuerst zwei oder drei Aufgaben zu benennen, die wirklich Zeit fressen, und dann zu schauen, welches Werkzeug diese Aufgaben besser erledigt. Die Antwort fällt danach meist von selbst.
Passend dazu
Welche Aufgabe in deinem Büro würdest du zuerst abgeben?
Zum KI-System für Unternehmen →Wofür sich welches im Alltag anbietet
ChatGPT hat den größeren Vorsprung dort, wo Menschen es ohnehin schon kennen. Wenn im Team die Hälfte privat damit arbeitet, ist die Einführung eine Frage von Tagen statt Wochen. Dazu kommt ein etwas breiteres Angebot rundherum, vor allem die Bilderzeugung im Werkzeug selbst und ein größerer Bestand fertiger Anbindungen an gängige Software.
Claude ist schmaler aufgestellt und setzt den Schwerpunkt auf Text und Analyse. Was dort gut gelöst ist, sind lange Unterlagen am Stück, also Verträge, Protokolle und Auswertungen, bei denen es darauf ankommt, dass nichts aus der Mitte verloren geht. Einen Bildgenerator gibt es nicht.
Beide haben inzwischen eine eigene Umgebung für Programmierarbeit, ChatGPT mit Codex und Claude mit Claude Code. Wer entwickelt, entscheidet das anhand der eigenen Werkzeugkette und nicht anhand eines Vergleichstests.
An dieser Stelle gehört die Offenlegung dazu: Mein eigenes System läuft auf Claude, und dieser Text ist mit Claude entstanden. Ich habe ihn deshalb von OpenAIs Modell gegenlesen und auf einseitige Stellen prüfen lassen, mehrere davon sind daraufhin umgeschrieben. Für einen Betrieb mit anderen Aufgaben kann die Antwort anders ausfallen als bei mir, und in mehreren Kundenprojekten ist sie das auch.
Wie du es einführst, ohne dass es versandet
Der häufigste Verlauf in kleinen Betrieben sieht so aus: Der Chef schließt ein Abo ab, sagt im Teammeeting Bescheid, und drei Wochen später benutzt es eine Person regelmäßig und der Rest gar nicht. Das liegt fast nie am Werkzeug.
Such zwei wiederkehrende Aufgaben, die messbar Zeit kosten und niemandem Spaß machen. Angebotstexte, Protokolle zusammenfassen, Antworten auf immer gleiche Anfragen. Wer mit „probiert es mal aus” startet, bekommt Ausprobieren und keine Anwendung.
Erst wenn diese Aufgaben feststehen, lohnt der Blick auf den Anbieter, denn dann lässt sich die Frage überhaupt beantworten.
Nicht erst privat testen und später umziehen. Was in privaten Konten entsteht, bleibt dort, und der Vertrag greift rückwirkend nicht. Der Umzug kostet später mehr als der Geschäftstarif von Anfang an.
Danach entscheidet sich, ob aus dem Werkzeug ein Arbeitsmittel wird oder eine Spielerei bleibt.
Wenn jemand eine Anweisung findet, die zuverlässig gute Ergebnisse liefert, gehört sie an eine Stelle, die alle erreichen. Sonst löst jeder dasselbe Problem noch einmal. Genau das ist der Punkt, an dem aus einem Abo ein System wird.
Diese drei Schritte sind bei beiden Anbietern identisch. Das ist der eigentliche Grund, warum die Anbieterfrage kleiner ist, als sie im Netz gemacht wird: Was über Erfolg oder Misserfolg entscheidet, passiert bei euch und nicht beim Anbieter.
Warum die Entweder-oder-Frage oft die falsche ist
Beide Geschäftstarife kosten pro Person im zweistelligen Bereich im Monat. Bei einem Betrieb mit fünf Leuten, die das Werkzeug wirklich täglich nutzen, ist der Unterschied zwischen einem und zwei Anbietern kleiner als eine einzige eingesparte Arbeitsstunde im Monat.
Deshalb arbeiten viele Betriebe am Ende mit beiden, wenn auch selten gleichzeitig für dieselbe Aufgabe. Die interessantere Frage ist ohnehin eine andere: An welcher Stelle in deinem Betrieb entsteht wiederholt dieselbe Arbeit, und wie viel davon lässt sich abgeben. Wie so ein Aufbau aussieht, steht auf der Seite zum KI-System für Unternehmen.
Was gegen einen schnellen Wechsel spricht
Was die Entscheidung teuer macht, ist nicht das Abonnement, sondern alles, was ihr darum herum aufbaut. Eingespielte Arbeitsweisen, hinterlegte Anweisungen, Ablagen, Anbindungen an eure Systeme. Wer nach vier Monaten wechselt, weil ein neues Modell in einem Test vorn lag, wirft genau das weg.
Ein Anbieterwechsel lohnt sich, wenn eine konkrete Aufgabe dauerhaft schlecht läuft oder eine vertragliche Anforderung nicht erfüllt wird. Er lohnt sich nicht wegen einer Rangliste.
Häufige Fragen
Ist Claude oder ChatGPT besser für Unternehmen?
Das hängt an der Aufgabe. ChatGPT ist im Vorteil, wenn viele im Team es schon kennen und breite Alltagsaufgaben anfallen. Claude ist im Vorteil bei langen Dokumenten und bei Code. Beim Datenschutz nehmen sich die Geschäftstarife wenig, dort entscheidet das Konto und nicht die Marke.
Kann ich beide gleichzeitig einsetzen?
Ja, und viele Betriebe tun das. Sinnvoll ist es, wenn sich die Aufgaben klar trennen lassen. Dieselbe Aufgabe bewusst doppelt laufen zu lassen kann sich lohnen, wenn viel davon abhängt, etwa bei einem wichtigen Vertrag oder einer Beschaffungsentscheidung, weil zwei Antworten Fehler sichtbar machen. Als Dauerzustand für den Alltag zahlst du dafür doppelt und pflegst zwei Ablagen halb.
Reicht der kostenlose Zugang für den Betrieb?
Zum Ausprobieren ja, für Arbeit mit Kundendaten nicht. Der Grund ist weniger das Training, das lässt sich bei beiden Anbietern auch in privaten Konten abschalten, sondern der fehlende Auftragsverarbeitungsvertrag und die fehlende Verwaltung: Das Konto gehört der Person, nicht dem Unternehmen, und beim Ausscheiden geht alles mit.
Werden meine Eingaben zum Training verwendet?
In den Geschäftstarifen beider Anbieter grundsätzlich nicht. In privaten und kostenlosen Konten lässt es sich abschalten, ist aber je nach Anbieter unterschiedlich voreingestellt und hat sich mehrfach geändert. Die Einzelheiten stehen in den beiden verlinkten Beiträgen zum Datenschutz.
Wie lange bleibt so eine Entscheidung gültig?
Die Modelle ändern sich mehrmals im Jahr, die Rahmenbedingungen deutlich seltener. Funktionsunterschiede können durchaus den Ausschlag geben, wenn eine davon eine Aufgabe bei euch wirklich löst. Nur halten Konto, Vertrag und Aufgabenzuschnitt eben länger als der Leistungsstand eines einzelnen Modells, deshalb ist das die stabilere Grundlage.
Wo lohnt sich KI in deinem Unternehmen wirklich?
Benjamin Häntzschel
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