Seitenaufrufe als Conversion: Googles KI-Empfehlung ablehnen
Im Conversion-Bereich von Google Ads tauchen neue Vorschläge mit dem Hinweis “Von Google AI empfohlen” auf. Darunter sind weiche Aktionen wie Seitenaufrufe und Interaktionen. Wer sie annimmt, mischt schwache Signale in genau die Datenbasis, auf die Smart Bidding optimiert. Hier steht, warum das teuer wird und was du stattdessen tust.
Es gibt Einstellungen in Google Ads, bei denen ein einzelner Klick monatelang nachwirkt. Die Auswahl deiner Conversion-Aktionen gehört dazu. Genau an dieser Stelle setzt Google jetzt eine KI-Empfehlung, die auf den ersten Blick hilfreich wirkt und in der Sache riskant ist.
Im Conversion-Bereich deines Kontos erscheinen Vorschläge mit dem Label “Von Google AI empfohlen”. Sie sollen deine Messung verbessern. Vorgeschlagen werden aber unter anderem Seitenaufrufe und Interaktionen, also Aktionen, die mit einem Auftrag nichts zu tun haben.
Was genau schlägt Google da vor?
Die Vorschläge sitzen oben im Conversion-Bereich und bieten an, weitere Aktionen als Conversion zu erfassen. Seitenaufruf bedeutet, dass jemand eine Seite geöffnet hat. Interaktion bedeutet, dass jemand irgendetwas getan hat, etwa gescrollt oder geklickt. Beides sagt nichts darüber aus, ob eine Anfrage, ein Anruf oder ein Kauf daraus geworden ist.
Zur Einordnung lohnt der Blick darauf, wie Smart Bidding arbeitet. Die Gebotssteuerung sucht nach Nutzern, die den erfassten Conversion-Aktionen ähneln. Sind darunter viele Seitenaufrufe, sucht Google zuverlässig Menschen, die Seiten aufrufen. Genau das bekommst du dann auch, in großer Menge und ohne dass dein Auftragsbuch voller wird.
Der zweite Effekt ist ebenso unangenehm. Deine Kennzahlen werden schön. Der CPA fällt, die Conversion-Zahl steigt, und im Bericht sieht die Kampagne plötzlich sehr erfolgreich aus. Am Ende des Monats fehlt trotzdem der Umsatz.
Wo verläuft die Grenze zwischen harten und weichen Aktionen?
Die Unterscheidung ist einfacher, als sie klingt. Eine harte Conversion kostet den Interessenten Überwindung und liefert dir eine Kontaktmöglichkeit oder Geld. Eine weiche Aktion zeigt nur, dass sich jemand auf deiner Seite bewegt hat.
Für einen Handwerksbetrieb ist der abgeschickte Anfragebogen die Conversion, nicht der Blick auf die Leistungsseite. In beratungsintensiven Branchen wie Kanzleien, Steuerberatungen oder Praxen zählt die Erstanfrage oder der angenommene Anruf, nicht der Aufruf des Team-Bereichs. Im Shop ist es der Kauf, nicht der Produktaufruf.
Wie reagierst du auf den Vorschlag?
Wenn dir so eine Empfehlung angezeigt wird, gibt es keinen Grund zur Eile. Der Vorschlag verschwindet nicht, wenn du ihn ignorierst, und dein Konto nimmt keinen Schaden, wenn du ihn stehen lässt.
Prüfe zuerst, welche Aktion überhaupt vorgeschlagen wird. Handelt es sich um einen Seitenaufruf oder eine Interaktion, lehnst du ab. Handelt es sich um eine echte Abschlussaktion, die bei dir bisher nicht erfasst war, ist die Empfehlung ausnahmsweise ein nützlicher Hinweis, dass in deinem Tracking eine Lücke steckt.
Kritisch wird es, wenn eine weiche Aktion nicht nur erfasst, sondern als primäre Conversion in ein Zielvorhaben aufgenommen wird. Dann fließt sie direkt in die Gebotssteuerung ein, und deine Kampagne optimiert ab diesem Moment auf Bewegung statt auf Aufträge. Der Schaden fällt oft erst Wochen später auf, wenn die Berichte längst gut aussehen.
Wenn du eine weiche Aktion trotzdem sehen willst, gibt es dafür den vorgesehenen Weg. Du erfasst sie als sekundäre Conversion. Sie erscheint dann in den Berichten, fließt aber nicht in die Gebotssteuerung ein. So bekommst du die Information, ohne dein Signal zu verwässern.
Wer über ein sauberes Conversion-Set verfügt, sollte diesen Bereich trotzdem regelmäßig anschauen, nicht nur beim Aufsetzen. Nach meiner Erfahrung entstehen die meisten verwässerten Conversion-Sets nicht durch eine falsche Grundeinrichtung, sondern durch viele kleine Zustimmungen im Vorbeigehen. Genau darauf zielt eine Empfehlung, die freundlich formuliert direkt neben dem passenden Knopf sitzt.
Warum kleine Konten besonders anfällig sind
Bei wenigen Abschlüssen im Monat wirkt das Angebot besonders verlockend. Smart Bidding braucht Datenpunkte, und wer im Monat eine niedrige zweistellige Zahl an echten Anfragen hat, hört ständig, dass die Automatisierung mehr Signale bräuchte. Ein Vorschlag, der genau diese Menge liefert, trifft damit einen echten Nerv.
Der Haken ist, dass die Rechnung nicht aufgeht. Zusätzliche Seitenaufrufe erhöhen zwar die Zahl der Datenpunkte, aber sie erhöhen nicht die Zahl der Datenpunkte, die zu einem Auftrag führen. Google lernt danach schneller, allerdings das Falsche. Gerade bei kleinen Konten fällt das doppelt ins Gewicht, weil die wenigen echten Abschlüsse in der Masse der weichen Aktionen untergehen.
Wenn dein Konto wirklich zu wenige Signale liefert, führt der Weg über andere Hebel. Ein sinnvoll gefasstes Anruf-Tracking, eine bessere Landingpage oder ein Zwischenschritt, der tatsächlich Kontaktdaten liefert, bringen echte Conversions dazu. Das dauert länger als ein Klick auf eine Empfehlung, wirkt dafür in die richtige Richtung.
Warum Google diese Vorschläge überhaupt macht
Mehr erfasste Conversions bedeuten mehr Signale, und mehr Signale bedeuten für die Automatisierung mehr Spielraum. Aus Googles Sicht ist das ein sinnvolles Angebot. Für dich zählt aber eine andere Frage, nämlich ob am Ende mehr echte Aufträge herauskommen.
Das ist kein Grund, alles abzulehnen, was das System vorschlägt. Es ist ein Grund, jede Empfehlung an deiner eigenen Rechnung zu messen. Ein Vorschlag, der deine Zahlen verbessert, ohne dein Geschäft zu verbessern, ist keine Optimierung.
Deine Checkliste
Empfohlener Ablaufplan für die Umsetzung:
- Schau im Conversion-Bereich nach, ob dort Vorschläge mit dem Hinweis “Von Google AI empfohlen” stehen.
- Lehne Vorschläge für Seitenaufrufe und Interaktionen ab, statt sie nebenbei zu bestätigen.
- Prüfe deine primären Conversion-Aktionen darauf, ob dort ausschließlich echte Abschlüsse stehen.
- Stufe bereits aufgenommene weiche Aktionen auf sekundär zurück, damit sie sichtbar bleiben, ohne die Gebote zu steuern.
- Nimm einen Vorschlag nur an, wenn er eine echte Abschlussaktion betrifft, die dir im Tracking bisher gefehlt hat.
Die Auswahl deiner Conversion-Aktionen ist eine der wenigen Einstellungen, bei denen eine einzige unbedachte Zustimmung monatelang Geld kostet. Wer hier streng bleibt, hat unspektakulärere Berichte und volle Auftragsbücher, und das ist der bessere Tausch.
Die neuen KI-Empfehlungen im Conversion-Bereich sind zuerst dem Branchenjournalisten Barry Schwartz aufgefallen.
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Benjamin Häntzschel
Google Ads, KI & Conversion-Optimierung