Google Ads Advisor: Neuer KI-Assistent mit Stärken und Tücken
Google hat auf dem NewFront 2026 den Ads Advisor vorgestellt, einen KI-Assistenten der bei Anzeigen-Ablehnungen hilft und Reports per Sprachbefehl erstellt. Die Idee ist gut. Aber bei allem, was Google empfiehlt, lohnt sich ein kritischer Blick.
Google Ads wird komplexer. Mehr Kampagnentypen, mehr Automatisierung, mehr Einstellungen. Viele Unternehmer verbringen zu viel Zeit damit, sich durch Menüs zu klicken oder zu verstehen, warum eine Anzeige abgelehnt wurde. Ein KI-Assistent, der dabei hilft, klingt erstmal nach einer guten Idee.
Genau das soll der neue Ads Advisor leisten.
Was kann der Google Ads Advisor?
Der Ads Advisor ist ein KI-gestützter Assistent direkt in Google Ads. Er kann bei zwei Aufgaben helfen: Erstens erklärt er, warum Anzeigen abgelehnt wurden und führt dich durch die Lösung. Zweitens erstellt er Berichte und Diagramme auf Basis einfacher Fragen, ohne dass du dich durch die Reporting-Oberfläche klicken musst.
Angenommen, eine deiner Anzeigen wird wegen eines Richtlinienverstoßes abgelehnt. Statt dich durch die Google Ads Hilfeseiten zu kämpfen, fragst du den Ads Advisor. Er zeigt dir, was genau das Problem ist und wie du es beheben kannst.
Beim Reporting funktioniert es ähnlich: Du stellst eine Frage wie “Zeig mir die Performance meiner Kampagnen im letzten Monat” und der Advisor erstellt die passende Übersicht. Das spart Zeit, besonders wenn du nicht jeden Tag im Konto unterwegs bist.
Das klingt gut, wo ist der Haken?
Der Ads Advisor ist ein Google-Produkt. Und Google verdient Geld, wenn du mehr Geld in Google Ads investierst. Das ist kein Geheimnis, aber es ist wichtig, sich das bewusst zu machen.
Google hat in der Vergangenheit immer wieder Empfehlungen ausgespielt, die nicht unbedingt im Interesse des Werbetreibenden waren. Der Optimierungsfaktor im Google Ads Konto ist das bekannteste Beispiel: Google bewertet dein Konto und schlägt Änderungen vor. Viele dieser Vorschläge klingen sinnvoll, führen aber in der Praxis zu höheren Kosten ohne bessere Ergebnisse.
Google kann Empfehlungen automatisch umsetzen, wenn du die Funktion “Automatisch anwenden” aktiviert hast. Das betrifft Gebotsanpassungen, Keyword-Erweiterungen, Budget-Erhöhungen und mehr. Prüfe unter Empfehlungen, ob diese Funktion bei dir aktiv ist, und deaktiviere alles, was du nicht bewusst freigegeben hast.
Welche Empfehlungen sind sinnvoll und welche nicht?
Nicht alle Empfehlungen von Google sind schlecht. Manche sind tatsächlich hilfreich, andere kosten dich Geld.
Oft sinnvoll
Technische Hinweise wie fehlendes Conversion-Tracking oder falsche Verlinkungen sind fast immer berechtigt. Wenn Google dir sagt, dass dein Tracking nicht richtig eingerichtet ist, solltest du das ernst nehmen.
Auch Vorschläge zur Anzeigenstärke können nützlich sein, wenn sie konkret auf fehlende Assets hinweisen, zum Beispiel fehlende Sitelinks oder zu wenige Headlines.
Eher kritisch hinterfragen
Budget-Erhöhungen werden fast immer vorgeschlagen. Google argumentiert mit “verpassten Impressionen”, aber mehr Budget bedeutet nicht automatisch mehr Conversions. Prüfe erst, ob deine bestehenden Kampagnen profitabel laufen, bevor du das Budget erhöhst.
Keyword-Vorschläge von Google sind oft zu breit gefasst. Google will mehr Reichweite, aber das passt nicht immer zu deinem Angebot. Ein Anwalt für Arbeitsrecht braucht keine Keywords zum Thema Mietrecht.
Automatische Gebotsstrategien klingen oft verlockend, aber der Wechsel sollte durchdacht sein. Wenn deine aktuelle Strategie funktioniert, ist “mal ausprobieren” kein guter Grund zum Wechseln.
Der Ads Advisor wird bei Anzeigen-Ablehnungen und beim Reporting vermutlich gute Arbeit leisten. Bei allem, was dein Budget, deine Keywords oder deine Gebotsstrategie betrifft, solltest du die Vorschläge aber immer selbst bewerten. Google optimiert auf Google-Ziele, nicht auf deine.
Update April 2026: Drei neue Sicherheits-Features
Google hat den Ads Advisor inzwischen erweitert. Im Newsletter von Adriaan Dekker kamen Ende April 2026 drei neue Funktionen dazu, die alle auf dem Gemini-Modell basieren. Sie zielen weniger auf Optimierung, sondern auf Sicherheit, Compliance und Wiederherstellung – also genau die Bereiche, in denen Werbetreibende sonst viel manuelle Arbeit haben.
Proaktive Fehlerbehebung bei Anzeigen-Ablehnungen
Statt nur passiv zu erklären, warum eine Anzeige abgelehnt wurde, soll der Ads Advisor jetzt eigenständig nach potenziellen Richtlinienverstößen suchen, das Problem in einfacher Sprache erklären und durch die Lösung führen – möglichst, bevor du überhaupt einen formalen Einspruch einreichen musst.
Das reduziert das typische Hin und Her nach einer Ablehnung. Wer regelmäßig mit Disapprovals zu tun hat, kennt das: Erst die kryptische Begründung verstehen, dann den richtigen Hilfeartikel finden, dann den Einspruch formulieren. Wenn der Advisor einen Großteil davon übernimmt, spart das Zeit.
Sicherheits-Monitoring rund um die Uhr
Das zweite Feature scannt dein Konto kontinuierlich auf Sicherheitsrisiken. Konkret geht es um inaktive Nutzer, die noch Zugriff haben, verdächtige Domains oder ungewöhnliche Konfigurationen. Eine eigene Sicherheits-Übersicht mit priorisierten Hinweisen soll das Ganze sichtbar machen.
Für Unternehmer, die selbst werben oder mehrere Personen Zugriff auf das Konto haben, ist das ein echter Mehrwert. Phishing- und Übernahme-Versuche bei Google Ads Konten sind in den letzten Monaten deutlich häufiger geworden, und ein passives Monitoring im Konto selbst senkt die Hürde, das Thema überhaupt zu beachten.
Sofort-Zertifizierungen für regulierte Branchen
Das dritte Feature ist besonders für Branchen relevant, in denen Google bestimmte Zertifizierungen verlangt: Anwälte, Finanzdienstleister, Glücksspielanbieter, Apotheken. Bisher musste man Zertifizierungs-Formulare manuell ausfüllen und auf Bearbeitung warten. Der Advisor übernimmt das jetzt automatisch oder zumindest assistiert dabei, basierend auf Geschäftstyp und Standort.
Anwaltskanzleien, die zum Beispiel über Markenrechte oder Werbung mit Mandantenbezug Zertifizierungen brauchen. Statt Wochen auf eine Bearbeitung zu warten, soll der Advisor den Prozess deutlich verkürzen.
Sind die neuen Features eine Empfehlung?
Mit Vorbehalten ja. Die drei neuen Features berühren keine direkten Geld-Themen wie Budget, Gebote oder Keywords. Sie zielen auf Aufgaben, die heute reaktiv und manuell sind: Disapprovals beheben, Konto absichern, Zertifizierungen managen. Das sind genau die Bereiche, in denen Automatisierung sinnvoll ist, weil hier weniger Konflikt zwischen “Google-Ziel” und “Werbetreibenden-Ziel” besteht.
Trotzdem gilt: Wenn der Advisor automatisch Änderungen vorschlägt oder umsetzt, immer erst lesen, dann zustimmen. Auch eine Sicherheits-Empfehlung kann im Einzelfall daneben liegen.
Update Mai 2026 (GML): Aus “Ads Advisor” wird “Ask Advisor”
Auf der Google Marketing Live am 20. Mai 2026 hat Google die zuvor separat eingeführten KI-Assistenten in Google Ads, Google Analytics, Merchant Center und Display & Video 360 unter einem gemeinsamen Namen zusammengefasst: Ask Advisor. Es ist also keine neue Funktion, sondern eine Konsolidierung der bisherigen Einzel-Tools.
Konkret neu im Mai 2026:
- Der Assistent läuft jetzt auf Gemini 3.
- Verfügbar auch in der Google Ads Mobile-App.
- Neu gestaltete Homepage mit Performance-Diagnose, Budget-Monitoring und Wachstums-Vorschlägen direkt auf der Startseite.
- “Intelligent Reporting”: Per Prompt werden komplexe Daten in Visualisierungen umgewandelt.
Die im April erwähnten Features (proaktive Fehlerbehebung bei Anzeigen-Ablehnungen, 24/7 Sicherheits-Monitoring, Sofort-Zertifizierungen) sind dabei und Teil von Ask Advisor.
Meine Einschätzung bleibt: Ask Advisor ist sinnvoll für reaktive Aufgaben wie Disapprovals, Reports und Sicherheits-Checks. Bei strategischen Vorschlägen zu Budget, Keywords oder Gebotsstrategien bleibt der Reflex: erst selbst denken, dann zustimmen. Der Name ändert daran nichts.
Was bedeutet das für dich als Unternehmer?
Der Ads Advisor ist ein nützliches Werkzeug, kein Ersatz für eine eigene Strategie. Nutze ihn für das, was er gut kann: technische Probleme lösen, Disapprovals beheben, Konten absichern und schnelle Berichte erstellen. Bei strategischen Entscheidungen über Budget, Keywords und Kampagnenstruktur solltest du weiterhin selbst entscheiden oder jemanden fragen, der dein Geschäft kennt.
Das Muster ist immer das gleiche: Google bietet Werkzeuge an, die den Einstieg erleichtern und den Alltag vereinfachen. Das ist gut. Aber die Empfehlungen, die daraus entstehen, sind nicht immer neutral. Du bist derjenige, der sein Geschäft am besten kennt. Nutze die Werkzeuge, aber behalte die Kontrolle.
Deine Checkliste
Empfohlener Ablaufplan für den Umgang mit Google-Empfehlungen:
- Automatisch anwenden deaktivieren. Prüfe unter Empfehlungen, ob Google Änderungen automatisch umsetzt, und schalte das ab.
- Empfehlungen einzeln bewerten. Nicht pauschal annehmen oder ablehnen, sondern jede Empfehlung auf dein Geschäft prüfen.
- Budget-Vorschläge hinterfragen. Es sei denn, du hast selbst festgestellt, dass deine Kampagnen durch Budget limitiert sind.
- Ads Advisor für Ablehnungen nutzen. Hier ist das Tool wirklich hilfreich und spart Zeit – mit der proaktiven Fehlerbehebung jetzt noch mehr.
- Sicherheits-Monitoring im Blick behalten. Inaktive Nutzer regelmäßig entfernen und Hinweise des Advisors zu verdächtigen Aktivitäten ernst nehmen.
- Reporting testen. Probiere die Prompt-basierte Berichtserstellung aus, das kann den Alltag vereinfachen.
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