Diffamierungs-Banner Studie 2026: Wie viele Bewertungen Google Maps in Deutschland wegen Diffamierung entfernt
Google blendet seit Ende April 2026 auf deutschen Unternehmensprofilen einen Hinweis ein, wenn dort Bewertungen wegen Diffamierungsbeschwerden entfernt wurden. Ich habe 998 Profile aus sieben Branchen in Hamburg, Berlin und München angeschaut. 22 Prozent zeigen den Banner. Bei Profilen mit ausreichender Bewertungs-Basis sind es 25 Prozent. Restaurants, Zahnärzte und Schönheitschirurgen führen das Ranking an, fünf Profile haben über 250 Bewertungen entfernen lassen.
Wer in den letzten Jahren auf Google Maps geschaut hat, wusste eigentlich: Bewertungen aus Deutschland sind nur halb aussagekräftig. Wer sich an einer kritischen Bewertung gestört hat, hat einen Anwalt eingeschaltet, und mit ein paar Mails war die Bewertung weg. 49 Euro pro entfernter Bewertung, kein öffentlicher Hinweis, fertig. Das deutsche Recht hat sich dafür perfekt angeboten, eine eigene Branche von Pauschal-Kanzleien hat sich um diesen Markt herum aufgebaut.
Vor ein paar Tagen ist mir dann auf Google Maps zum ersten Mal ein neuer Banner aufgefallen. „11 bis 20 Bewertungen aufgrund von Beschwerden wegen Diffamierung entfernt”, stand da auf einem Anwaltsprofil. Mir war sofort klar: Das ist neu, und das ändert was. Wenn Google solche Lösch-Aktivität jetzt öffentlich anzeigt, lohnt sich ein genauerer Blick. Also habe ich 998 Profile aus sieben Branchen in Hamburg, Berlin und München durchgeschaut.
Diese Studie ist das Ergebnis.
Was ist dieser Diffamierungs-Banner überhaupt?
Wer im April 2026 ein deutsches Google-Unternehmensprofil aufruft und in den Rezensionen-Tab klickt, sieht bei manchen Profilen einen kurzen Hinweistext. Wortlaut zum Beispiel: „Eine Bewertung aufgrund einer Beschwerde wegen Diffamierung entfernt” oder „21 bis 50 Bewertungen aufgrund von Beschwerden wegen Diffamierung entfernt.” Die Spanne wird in zehn Stufen ausgewiesen, von „1” bis „über 250”.
Drei Bedingungen müssen erfüllt sein, damit eine Löschung in den Banner einfließt: Die Bewertung wurde wegen einer Diffamierungsbeschwerde nach deutschem Recht entfernt, die Entfernung liegt in den letzten zwölf Monaten, und der Bewertende hat keinen erfolgreichen Einspruch eingelegt. Andere Löschgründe wie Spam oder Hassrede zählen nicht mit.
Das Feature ist eine Reaktion auf eine Statistik aus dem EU-Bericht zum Digital Services Act. Von allen Bewertungslöschungen in der gesamten EU, die als Diffamierung gemeldet wurden, betreffen 99,97 Prozent Unternehmen aus Deutschland. Nicht 99 Prozent, fast alle. Der Grund liegt in der deutschen Rechtslage und einer eingespielten Industrie für Pauschal-Anwälte, die ab 49 Euro pro entfernter Bewertung arbeiten.
Der Banner ist Googles Antwort darauf. Er macht das Lösch-Verhalten zum ersten Mal sichtbar.
So bin ich vorgegangen
Damit du die Zahlen einordnen kannst, kurz zur Vorgehensweise.
Sieben Branchen, drei Städte. Bei den Branchen habe ich Folgendes gewählt: Anwälte allgemein, Anwälte mit Schwerpunkt Arbeitsrecht, Hausärzte, Zahnärzte, Schönheitschirurgen, Restaurants und Hotels. Drei Beratungsbranchen, zwei Premium-Medizinbranchen mit viel Werbung, dazu Restaurants und Hotels als Branchen mit hohem Bewertungs-Aufkommen. Untersucht in Hamburg, Berlin und München.
Pro Branche und Stadt habe ich mir jeweils die ersten 50 Profile angesehen, die im Maps-Pack der jeweiligen Stadt erscheinen. Bei jedem Profil habe ich auf den Rezensionen-Tab geklickt und nachgeschaut, ob der Diffamierungs-Banner sichtbar ist. Wenn ja, Spanne notiert. 1.050 Profile theoretisch, nach Bereinigung doppelter Einträge bleiben 998 unterschiedliche Profile.
998 Profile insgesamt, 873 davon mit mindestens zehn Bewertungen. Erhebungsdatum 27. April 2026. Sieben Branchen in Hamburg, Berlin und München.
Ein paar Vorbehalte vorweg, damit niemand die Zahlen größer dreht als sie sind. Die Maps-Pack-Reihenfolge variiert je nach Standort des Suchenden. Der Banner zeigt rollierend nur die letzten zwölf Monate, ein Profil ohne Banner kann ihn vor April 2026 gehabt oder in den nächsten Monaten bekommen. Und die Studie ist eine Stichprobe aus drei Städten, kein Vollbild von Deutschland.
Die Eckzahlen
Beginnen wir mit dem Gesamtbild.
22 Prozent klingt erstmal abstrakt. Übersetzt heißt das: Wenn du heute zehn deutsche Unternehmensprofile in einer Großstadt aufmachst, zeigen zwei davon einen Diffamierungs-Banner. Wenn du dich nur auf Profile mit mindestens zehn Bewertungen beschränkst, also auf die Profile mit echter Sichtbarkeit, sind es schon zweieinhalb von zehn.
Das ist deutlich mehr, als ich vor der Studie erwartet hatte.
Branchen-Vergleich: Wer löscht wirklich?
Spannender als die Gesamtzahl ist die Aufschlüsselung nach Branchen. Hier zeigt sich ein klares Muster.
Drei Beobachtungen, die mir aus den Daten herausspringen.
Restaurants führen das Ranking an
Mit 38 Prozent ist die Restaurant-Branche der Spitzenreiter. Vier von zehn etablierten Restaurants in Hamburg, Berlin oder München zeigen einen Diffamierungs-Banner. Vor der Studie hätte ich das nicht so erwartet. Mein Kopf hatte das Lösch-Modell eher bei Anwälten und Premium-Medizin verortet. Dass Gastronomie aber so massiv vorne liegt, hat mich überrascht.
Zahnärzte schlagen Hausärzte um den Faktor vier
Eine der schärfsten Beobachtungen der Studie. Zahnärzte 35 Prozent, Hausärzte 9 Prozent. Beide gehören zur Medizin, beide haben oft hohe Bewertungs-Zahlen, beide werben aktiv um Patienten. Trotzdem ein Faktor von fast vier zwischen ihnen.
Was den Unterschied erklären könnte: Zahnärzte sind eine Premium-Branche mit hohen Werbespendings und vielen Konflikten rund um Behandlungsergebnisse. Genau die Voraussetzungen, unter denen das Pauschal-Lösch-Modell funktioniert. Bei Hausärzten kommt es seltener zu öffentlichen 1-Sterne-Bewertungen, der Druck ist niedriger.
Spezialisierung schützt nicht
Anwälte mit Schwerpunkt Arbeitsrecht: 23 Prozent. Anwälte allgemein: 27 Prozent. Vor der Studie hatte ich erwartet, dass Arbeitsrechtler deutlich höhere Quoten zeigen. Arbeitsrecht ist in den Großstädten ein extrem umkämpfter Markt mit viel Werbedruck und vielen unzufriedenen Mandanten — eigentlich die Voraussetzungen, unter denen man eine hohe Lösch-Aktivität erwartet. Trotzdem liegt die Quote leicht unter den Generalisten. Eine Spezialisierung in dieser Branche bringt also kein zusätzliches Risiko.
Drei Branchen im Detail
Hinter den Gesamt-Quoten stecken pro Branche ganz unterschiedliche Muster. Hier die drei Branchen, in denen die Banner-Quote am höchsten ist, jeweils mit Stadt-Aufschlüsselung und ihrer eigenen Geschichte.
Restaurants: 38 % — die Volumen-Branche
Die mit Abstand höchste Banner-Quote der Studie. Hinter dieser Zahl steht ein klares geografisches Gefälle.
Berlin sticht hervor: Mehr als jedes zweite Berliner Top-Restaurant zeigt den Banner. Restaurants sind außerdem die einzige Branche mit Profilen in der höchsten Spanne „über 250” gleich mehrfach vertreten. Die Sterne-Bewertungen dieser Top-Lösch-Restaurants liegen zwischen 4,3 und 4,4, also klar im positiven Bereich. Es sind keine schlecht laufenden Lokale, die ihren Ruf retten wollen, sondern etablierte Marken mit viel Bewertungsverkehr und einer offenbar systematischen Lösch-Praxis.
Zahnärzte: 35 % — der Berliner Sonderfall
Hier zeigt sich der schärfste Stadt-Effekt der Studie.
Bei Zahnärzten ist Berlin nicht nur etwas höher, sondern deutlich höher. 59 Prozent. Mehr als jeder zweite Berliner Top-Zahnarzt hat in den letzten zwölf Monaten mindestens eine Bewertung wegen Diffamierung entfernen lassen. In Hamburg und München liegt die Quote bei 25 beziehungsweise 21 Prozent. Eine bundesweit aktive Zahnarzt-Kette taucht in allen drei Städten mit Spannen im zweistelligen Bereich auf. Bei großen Ketten scheint das Lösch-Modell stärker etabliert als bei einzelnen Praxen.
Schönheitschirurgen: 33 % — die ausgewogene Hochburg
Anders als bei Restaurants und Zahnärzten verteilt sich die Quote bei Schönheitschirurgen sehr gleichmäßig auf alle drei Städte.
Schönheitschirurgie ist die einzige Branche der Studie, in der Hamburg vorn liegt. Auch die Stadt-Spreizung ist klein, sechs Prozentpunkte zwischen oberstem und unterstem Wert. Spannend: In dieser Branche gibt es keine Profile mit dreistelligen Spannen. Die Lösch-Aktivität ist also verbreitet, aber moderat. Typischerweise „1” bis „11 bis 20”, selten höher.
Stadt-Vergleich: Berlin führt deutlich
Beim Vergleich der drei Städte zeigt sich ein interessantes Bild.
Berlin liegt vorn. Aber die Gesamtquote sagt nicht alles, jede Stadt hat ihre eigenen Schwerpunkte. Drei kurze Stadt-Profile, was hinter der Zahl steckt.
Berlin ist die Hochburg der Studie. Von den fünf Profilen mit Spanne „über 250” liegen drei in Berlin. Bei Zahnärzten zeigt mehr als jede zweite Praxis den Banner, bei Restaurants gilt das Gleiche.
München ist auf der Mitte. Keine extremen Ausreißer nach oben, aber auch nirgendwo entspannt. Die Verteilung ist gleichmäßiger als in Berlin, der höchste Branchen-Wert liegt bei Restaurants und Schönheitschirurgen mit jeweils etwa einem Drittel. Münchens Lösch-Kultur scheint moderater, aber breit etabliert.
Hamburg ist im Gesamtmittel am ruhigsten unter den drei Städten. Restaurants liegen bei 28 Prozent, also deutlich unter Berlin und München. Auffällig ist die Schönheitschirurgie mit 36 Prozent — die einzige Branche, in der Hamburg vorn liegt. Bei Anwälten ist Hamburg dagegen mit 32 Prozent die Stadt mit der höchsten Quote, knapp vor München (31 Prozent), während Berlin hier deutlich niedriger liegt (20 Prozent).
Wie viele Bewertungen werden eigentlich entfernt?
Der Banner zeigt eine Spanne, kein exaktes Zahl. Die Verteilung dieser Spannen sagt viel über die Lösch-Realität aus.
Die Mehrheit der Profile, gut die Hälfte, hat nur ein bis fünf Bewertungen entfernen lassen. Das passt zum Bild des „Einzelfall-Löschers”, der eine konkrete unerwünschte Bewertung loswerden will und einen Anwalt einschaltet. Diese Fälle sind in der Außenwirkung meistens kein Drama, weil sich eine entfernte Bewertung gut erklären lässt.
Spannend wird es ab der Spanne „11 bis 20”. Bei 26 Profilen ist die Lösch-Anzahl zweistellig. Bei 27 weiteren bewegt sie sich zwischen 21 und 50. Hier wird aus dem Einzelfall ein systematisches Verhalten, und die Außenwirkung kippt. Wer im Profil stehen sieht „21 bis 50 Bewertungen aufgrund von Beschwerden wegen Diffamierung entfernt”, muss sich öffentlich erklären.
Die wirklich auffälligen Fälle sind die fünf Profile mit der Spanne „über 250”. Das sind Unternehmen, die im letzten Jahr mehr als 250 Bewertungen wegklagen ließen. Das ist keine Reaktion auf einzelne Konflikte mehr, das ist eine etablierte Strategie.
Die Top der Lösch-Liste
Hier ein anonymisierter Auszug aus dem oberen Ende der Verteilung. Ich nenne bewusst keine Profil-Namen, sondern nur Branche, Stadt und die jeweilige Spanne. Die einzelnen Profile sind selber öffentlich einsehbar, eine namentliche Listung trägt aber zur Studienaussage nichts bei.
| Branche | Stadt | ★ | Bewertungen | Spanne |
|---|---|---|---|---|
| Restaurant | Berlin | 4,3 | 4.356 | über 250 |
| Restaurant | Berlin | 4,4 | 4.312 | über 250 |
| Restaurant | München | 4,4 | 3.646 | über 250 |
| Restaurant | Hamburg | 4,4 | 3.300 | über 250 |
| Restaurant | Berlin | 4,4 | 873 | über 250 |
| Hotel | Hamburg | 3,2 | 8.267 | 201 bis 250 |
| Restaurant | Berlin | 4,6 | 1.220 | 201 bis 250 |
| Restaurant | München | 4,3 | 857 | 201 bis 250 |
| Restaurant | München | 4,8 | 1.456 | 151 bis 200 |
| Restaurant | Berlin | 4,6 | 473 | 151 bis 200 |
Drei Beobachtungen aus dem oberen Ende der Liste.
Erstens: Es sind fast ausschließlich Restaurants und Hotels, kein Anwalt, kein Zahnarzt. Wenn du zweistellige oder dreistellige Spannen willst, brauchst du eine Branche mit hohem Bewertungs-Aufkommen. Anwälte landen selten dort, weil sie selber meistens unter 200 Bewertungen haben. Die Lösch-Spitzenklasse sitzt in der Gastronomie.
Zweitens: Die Sterne-Bewertungen der Top-Lösch-Profile sind überraschend solide. 4,3 bis 4,8. Das sind keine schlecht bewerteten Unternehmen, die am Ruf retten, was zu retten ist. Das sind etablierte Marken mit positiven Profilen, die nebenbei aktiv löschen lassen. Das verändert die Diskussion.
Drittens: Ein Hotel in Hamburg sticht heraus. 8.267 Bewertungen, 3,2 Sterne, „201 bis 250” entfernt. Das ist ein Sonderfall, weil die niedrige Sterne-Bewertung mit der hohen Lösch-Anzahl einen anderen Eindruck als bei einem 4,8-Sterne-Restaurant erzeugt.
Was die Zahlen wirklich sagen
Zwei Quotienten aus den Daten, die hängenbleiben. Beide sind aus der Stichprobe gerechnet und schärfen das Bild über reine Banner-Quoten hinaus.
Das Sterne-Paradoxon
Profile mit Diffamierungs-Banner haben durchschnittlich bessere Sterne als Profile ohne. 4,73 zu 4,56 im Mittel. Das wirkt im ersten Moment widersprüchlich, ist aber logisch. Wer systematisch unbequeme Bewertungen entfernen lässt, hebt damit den eigenen Sterne-Schnitt. Das Lösch-Modell „funktioniert” technisch.
Was bisher fehlte, war die Sichtbarkeit. Genau die hat sich seit April 2026 geändert. Die 0,17 Sterne Vorsprung waren bisher der Vorteil der Strategie, der Banner ist jetzt der Preis dafür. Wer das Lösch-Modell weiter nutzt, hat einen leichten Sterne-Vorsprung im Schnitt, dafür ein neues Erklärungsthema im Profil.
Die 80/20-Konzentration
Von den geschätzt 5.570 Bewertungen, die in den 219 Banner-Profilen entfernt wurden, entfallen zwei Drittel auf die obersten 22 Profile. Anders gesagt: Die Lösch-Aktivität in deutschen Großstädten ist nicht gleich verteilt. Sie konzentriert sich stark auf eine kleine Gruppe systematischer Nutzer.
Für die Branche heißt das, dass der typische Banner-Eintrag harmlos ist (28 Prozent aller Banner zeigen nur „1” Bewertung entfernt), aber dass es eine kleine Gruppe gibt, die das Modell sehr aggressiv nutzt. Genau diese Gruppe wird mit dem neuen Banner zum ersten Mal sichtbar abgegrenzt vom Rest.
Was die Studie für deine Branche bedeutet
Wenn du selbst ein Google-Profil führst, lohnt es sich, die Befunde auf deine Branche zu spiegeln. Drei Implikationen, die mir nach der Auswertung wichtig erscheinen.
Profil-Sichtbarkeit ist wieder auf der Agenda
Bisher konnten Unternehmen Bewertungslöschung als reine Hintergrund-Aktion betrachten. Anwalt beauftragt, Bewertung verschwindet, kein Außeneffekt. Das ist seit April 2026 vorbei. Jede Löschung der letzten zwölf Monate, die nicht durch erfolgreichen Einspruch wiederhergestellt wurde, steht jetzt sichtbar auf dem Profil. Wenn dein Unternehmen in dieser Zeit aktiv gelöscht hat, lohnt sich ein Blick auf das eigene Profil aus Kundensicht. Steht da etwas? Wie hoch ist die Spanne?
In den letzten Tagen sind erste Reddit-Threads aufgetaucht, in denen User systematisch nach den höchsten Spannen pro Stadt suchen. Wer ist Hamburgs Löschkönig? Wer ist Berlins Löschkönig? Solche Posts trenden gerade. Wer als Unternehmen darauf gewettet hat, dass der Banner unter dem Radar bleibt, hat sich verkalkuliert. Die Sichtbarkeit nach außen ist da, ob du sie willst oder nicht.
Pauschal-Anwälte werden anders verhandelt
Bisher war die Rechnung einfach. 49 Euro pro entfernter Bewertung gegen den Schaden einer schlechten Bewertung. Heute kommt die Frage dazu, wie die Löschung im Banner-Bild kumuliert. Bei einer Löschung pro Jahr ist das vernachlässigbar, der Banner zeigt dann „1” oder gar nichts. Bei zehn Löschungen pro Jahr stehen plötzlich „11 bis 20” im Profil. Bei dreißig Löschungen sind es „21 bis 50”. Die Wirkung skaliert.
Die ehrliche Schwelle für jede einzelne Anwaltsbeauftragung ist heute höher als noch im März. Lohnt sich diese eine Löschung wirklich, wenn sie sichtbar auf dem Profil ankommt?
Service Recovery wird wertvoller
Eine schlechte Bewertung professionell zu beantworten und im Hintergrund zu lösen ist günstiger und besser für die Außenwirkung als eine Löschung. Wer das Service-Recovery-Spiel beherrscht, hat in der neuen Sichtbarkeits-Realität einen klaren Vorteil. Auch das ist nichts Neues, aber der Banner verschiebt die Gewichtung deutlich in diese Richtung.
Was du jetzt prüfen solltest
Wenn du selber ein Google-Unternehmensprofil führst, lohnt sich ein strukturierter Blick. Hier die Checkliste, mit der ich auch bei Kundenprofilen anfange.
- Eigenes Profil aus Kundensicht prüfen. Öffne dein Profil im Inkognito-Browser und klicke auf den Rezensionen-Tab. Steht dort ein Diffamierungs-Hinweis? Welche Spanne wird angezeigt?
- Letzte zwölf Monate analysieren. Welche Bewertungen wurden gelöscht? Aus welchen Gründen? War das jeweils wirklich notwendig?
- Bei berechtigter Kritik den Service verbessern. Wenn aus den Bewertungen ein wiederkehrendes Muster sichtbar wird, lohnt es sich, vorbeugend an den Schwachstellen zu arbeiten. Bessere Prozesse heute, weniger Lösch-Bedarf in zwölf Monaten.
- Strategie auf Service Recovery umstellen. Aktiv positive Bewertungen einsammeln, professionell auf Kritik reagieren, Service Recovery vor Anwaltslöschung priorisieren. Eine zurückgezogene oder positiv aktualisierte Bewertung ist immer besser als eine entfernte.
- Anwaltspauschalen kritisch hinterfragen. Bevor du die nächste Bewertung pauschal löschen lässt, prüfe: Echte Diffamierung oder unbequeme Kritik? Bei Letzterem ist eine professionelle Antwort heute fast immer der bessere Weg.
- Souverän reagieren, falls jemand fragt. Wenn ein Kunde oder Interessent dich auf den Banner anspricht, eine kurze sachliche Erklärung parat haben — ohne Rechtfertigungston. Aber nicht vorab thematisieren, das kommt seltener als gedacht.
- Den Banner-Status periodisch prüfen. Der Banner ist rollierend für die letzten zwölf Monate. Ein heute sichtbarer Wert verschwindet wieder, wenn keine neuen Löschungen dazukommen.
Persönlicher Take
Was ich aus der Studie für meine eigene Beratungsarbeit mitnehme.
Bei den Premium-Branchen, also Zahnärzten, Schönheitschirurgen und auch teilweise Anwälten, war mir das Lösch-Verhalten vorher schon klar. Da überraschen die Quoten nicht. Eher umgekehrt: Bei einigen Branchen hatte ich höhere Werte erwartet als die Daten zeigen. Bei Berliner Zahnärzten mit 59 Prozent war ich allerdings auch überrascht, wie hoch das Niveau dort liegt.
Die wirkliche Veränderung liegt nicht in der Verbreitung des Lösch-Modells, sondern in der Sichtbarkeit. Und genau hier hängt alles von der Spanne ab. Ein Beispiel aus der Studie: Mir ist ein Restaurant aufgefallen mit knapp 500 aktuellen Bewertungen. In den letzten zwölf Monaten wurden zwischen 150 und 200 Bewertungen entfernt. Das Restaurant existiert seit Jahren, der aktuelle Schnitt liegt bei 4,4 Sternen. Wenn du als Kunde diese Größenordnung an gelöschten Bewertungen siehst, weißt du sofort: Der Schnitt zeigt nicht das echte Bild. Und genau diese Information hatten Kunden vorher nie.
Für meine Kunden bleibt die Empfehlung dieselbe wie schon vor der Studie: aktiv positive Bewertungen einholen, professionell auf Kritik reagieren, im Hintergrund Service Recovery betreiben, und wenn doch gelöscht werden muss, dann sehr gezielt bei tatsächlichen Diffamierungen. Pauschallöschen war nie eine gute Strategie, jetzt ist sie noch unattraktiver.
Verlierst du mit Google Ads mehr Geld, als du solltest?
Ich zeige dir, wo dein Account Potenzial verschenkt – und wie du mehr aus deinem Budget herausholst.
Performance-Plan sichern →