ChatGPT Ads: OpenAI schreibt Text neben deine Anzeige
OpenAI baut mehr eigenen Text um die Anzeigen in ChatGPT. Über dem als Anzeige gekennzeichneten Kasten erscheint neuerdings eine Einordnungszeile des Systems, etwa in der Form “Für KI-Videos in einem YouTube-Workflow ist das eine Möglichkeit”. Unter der Anzeige fragt OpenAI Nutzer nach ihrer Meinung. Beides schreibst nicht du, und beides entscheidet mit darüber, wie deine Anzeige wirkt. Wer jetzt in ChatGPT testet, bringt dem System bei, was eine passende Platzierung ist.
In einer Google-Suchanzeige gehört dir jedes Wort, das der Nutzer liest. In ChatGPT ist das anders. Dort steht deine Anzeige in einem Umfeld, das die Maschine formuliert, und dieses Umfeld wächst gerade. Wie der Kanal insgesamt funktioniert und für wen er sich lohnt, steht in meiner Übersicht zu ChatGPT Ads. Hier geht es um den Rahmen um die Anzeige herum.
Was genau ist neu?
OpenAI zeigt neben den als Anzeige gekennzeichneten Platzierungen eine zusätzliche Zeile mit eigener Einordnung, und zwar außerhalb des Anzeigenkastens. Dazu fragt das System Nutzer unter der Anzeige nach Rückmeldung. Das Verhalten wurde von Werbetreibenden beobachtet, eine offizielle Ankündigung von OpenAI dazu gibt es nicht.
Der Aufbau selbst ist bekannt. Anzeigen erscheinen am Ende einer Antwort, in einem leicht abgesetzten, getönten Kasten, deutlich als “Sponsored” ausgewiesen und vom eigentlichen Antworttext getrennt. Die Auswahl läuft nach dem Thema des Gesprächs, früheren Chats und früheren Reaktionen des Nutzers auf Anzeigen. Bei mehreren infrage kommenden Werbetreibenden wird der passendste zuerst gezeigt.
Neu ist der Satz davor. Er kommt nicht von dir, er stammt vom Modell, und er ordnet deine Anzeige in das Gespräch ein. Für den Leser verschmilzt das mit der Antwort, auch wenn die Kennzeichnung technisch sauber danebensteht.
Was du steuerst und was nicht
Die rechte Spalte ist der eigentliche Unterschied zu allem, was du aus Google Ads kennst. Dort steuerst du über Keywords, Anzeigentexte und Ausschlüsse mit, in welchem Umfeld du auftauchst. In ChatGPT beschreibst du dein Angebot, und das Modell entscheidet, wann es dazu passt und wie es das dem Nutzer erklärt.
Warum die Feedback-Abfrage der wichtigere Teil ist
Die Einordnungszeile ist eine Darstellungsfrage. Die Rückmeldung unter der Anzeige ist ein Steuerungssignal, und das wiegt schwerer. Wenn Nutzer bewerten können, ob eine Platzierung passt, lernt das System daran, welche Anzeige in welchem Gespräch etwas zu suchen hat. Wer früh dabei ist, trainiert dieses Urteil mit.
Das schneidet in beide Richtungen. Eine Anzeige, die im Gespräch wirklich weiterhilft, sammelt positive Signale und wird künftig eher gezeigt. Eine, die nur breit ausgerollt wurde, um Reichweite mitzunehmen, sammelt das Gegenteil. Bei Google kostet eine schwache Anzeige Geld und Qualitätsfaktor. Hier kostet sie zusätzlich Stellung in einem System, das seine Relevanzregeln gerade erst ausbildet.
Schreib den Anzeigentext so, dass er die Frage des Nutzers weiterbringt, auch wenn er nicht klickt. In diesem Umfeld ist das die Bedingung dafür, dass die Platzierung überhaupt Bestand hat. Ein reiner Werbespruch ohne Antwortwert bekommt in einer Umgebung, in der Nutzer bewerten dürfen, kein zweites Leben.
Wer die Anzeigen überhaupt sieht
Die Reichweite ist gedeckelt, und das gehört bei jeder Planung an den Anfang. Anzeigen sehen Nutzer der Tarife Free und Go sowie nicht angemeldete Nutzer. Plus, Pro, Business, Enterprise und die Bildungstarife bleiben werbefrei, Konten mit erkanntem Alter unter 18 werden ausgenommen.
Für ein B2B-Angebot heißt das etwas anderes als für einen Shop. Wer Entscheider in Unternehmen erreichen will, spricht eine Gruppe an, die überdurchschnittlich oft in einem bezahlten Tarif sitzt und die Anzeige deshalb gar nicht sieht. Wer breite Endkundenthemen bedient, also Handwerk, lokale Dienstleistungen oder Verbraucherprodukte, findet seine Leute eher im werbefinanzierten Teil.
Lohnt ein Test jetzt?
In Deutschland kannst du seit dem 31. August 2026 selbst buchen, ab 15 Euro Tagesbudget und 65 Euro Gesamtbudget je Kampagne. Was der Anzeigenmanager kann und wo er noch hakt, habe ich im Beitrag zum OpenAI Ads Manager aufgeschrieben. Die Einstiegshürde ist damit niedrig genug, dass ein Test vor allem Zeit kostet und kaum noch Budget.
Mein Rat bleibt derselbe wie im August. Teste mit einem Betrag, dessen Verlust dich nicht stört, und behandle das Ergebnis als Erkundung und nicht als Kanalvergleich. Die Zahlen, die du dort herausbekommst, sind noch nicht mit Google Ads vergleichbar, dafür ist die Fläche zu jung und zu klein. Was du stattdessen mitnimmst, ist ein Gefühl dafür, in welchen Gesprächen dein Angebot auftaucht und wie das Modell es beschreibt.
Ein Punkt, der oft übersehen wird: Die Voreinstellung im Anzeigenmanager schreibt deine Texte um, wenn du sie stehen lässt. Zusammen mit der neuen Einordnungszeile bedeutet das, dass am Ende womöglich kein einziger Satz wortwörtlich von dir stammt. Wer das nicht will, stellt die automatische Textanpassung ab, wie es im Beitrag zu den automatisch erzeugten Anzeigen beschrieben ist.
Ohne saubere Messung bleibt das Ganze ein Bauchgefühl. Wie der Pixel aufgesetzt wird und was er kann, steht im Beitrag zum Tracking für ChatGPT Ads, den weiteren Stand pflege ich laufend in der Übersicht zu ChatGPT Ads.
Häufige Fragen
Kann ich den Text beeinflussen, den ChatGPT über meine Anzeige schreibt?
Nein. Die Einordnungszeile erzeugt das Modell aus dem Gesprächsverlauf und deinem Angebot. Du steuerst nur den Anzeigentext selbst, das Bild und die Zielseite.
Sind Anzeigen in ChatGPT als Werbung erkennbar?
Ja. Sie stehen in einem abgesetzten, getönten Kasten mit der Kennzeichnung “Sponsored” und sind vom Antworttext getrennt. Die neue Einordnungszeile steht außerhalb dieses Kastens, was die Grenze für den Leser weniger deutlich macht.
Wer sieht Werbung in ChatGPT?
Nutzer der Tarife Free und Go sowie nicht angemeldete Nutzer. Plus, Pro, Business, Enterprise und die Bildungstarife bleiben werbefrei. Konten mit erkanntem Alter unter 18 sind ausgenommen.
Was kostet ein Test in ChatGPT Ads?
Der Anzeigenmanager verlangt seit dem Deutschlandstart am 31. August 2026 mindestens 15 Euro Tagesbudget und 65 Euro Gesamtbudget je Kampagne. Das Werkzeug selbst kostet nichts.
Sollte ich Budget von Google Ads nach ChatGPT verschieben?
Nein, dafür ist die Reichweite zu klein und die Datenlage zu dünn. Sinnvoll ist ein zusätzlicher Betrag für Erkundung, während die bestehenden Kampagnen unangetastet weiterlaufen.
Macht ChatGPT-Werbung für dein Geschäft schon Sinn?
Benjamin Häntzschel
Google Ads, KI & Conversion-Optimierung