Conversion Traffic
ChatGPT Ads ohne Landingpage: Anzeigen werden zum Gespräch
Google Ads News 5 Min. Lesezeit

ChatGPT Ads ohne Landingpage: Anzeigen werden zum Gespräch

Das Wichtigste zusammengefasst

OpenAI testet im ChatGPT Ads Manager einen Kampagnentyp, bei dem eine Anzeige kein Ziel auf deiner Website hat, sondern ein Gespräch mit einem Agenten öffnet, der dein Unternehmen vertritt. Der Agent kann Fragen beantworten, Produkte zeigen und Anfragen aufnehmen, ohne dass der Nutzer ChatGPT verlässt. Hier erfährst du, wie das Ganze aufgebaut ist, welche Kontrolle du dabei abgibst und was daran heute schon eine praktische Konsequenz hat.

Seit es Online-Werbung gibt, folgt sie derselben Logik. Jemand sieht eine Anzeige, klickt darauf und landet auf einer Seite, die du gebaut hast. Alles, was danach passiert, kannst du gestalten, messen und verbessern. Die Landingpage ist der Ort, an dem aus einem Klick eine Anfrage wird.

Was OpenAI gerade testet, kippt genau diesen Teil. Der Klick führt nicht mehr zu dir, sondern in ein Gespräch.

Wie soll das Format funktionieren?

Gut zu wissen

Im ChatGPT Ads Manager taucht ein Kampagnentyp auf, bei dem die Anzeige eine Unterhaltung mit einem geschäftsspezifischen Agenten öffnet. ChatGPT durchsucht dafür zunächst deine Website und erstellt daraus ein Profil deines Unternehmens mit typischen Kundenfragen und allgemeinen Informationen. Darauf setzt du als Werbetreibender auf, mit eigenen Anweisungen und zusätzlichen Datenquellen wie einem Produktfeed oder einer direkten Anbindung an Live-Daten aus deinem System. Der Agent kann dann Fragen beantworten, Produkte empfehlen und Anfragen aufnehmen, ohne dass der Nutzer ChatGPT verlässt.

Wichtig für die Einordnung ist der Status. Die Funktionen sind offenbar für einen begrenzten Kreis an Werbetreibenden im Anzeigenmanager sichtbar. Wie das Ganze für den Nutzer am Ende aussieht und wie prominent solche Anzeigen im Gespräch auftauchen, hat bisher kaum jemand von außen beobachtet. Das ist ein früher Blick hinter die Kulissen, keine Ankündigung mit Starttermin.

Verlierst du mit Google Ads mehr Geld, als du solltest?

Seit 2013 Google Ads. Jährliche Werbebudgets im Millionenbereich.

Was du im kostenlosen Check bekommst:

Wo dein Budget gerade verschenkt wird
Drei konkrete Stellschrauben für mehr Performance
Ehrliche Einschätzung, kein Verkaufsgespräch
Kostenloser Google Ads Check →
Benjamin Häntzschel

Benjamin Häntzschel

Google Ads, KI & Conversion-Optimierung

Was sich damit tatsächlich verschieben würde

Wenn das Format so kommt, verschiebt sich der wichtigste Teil deines Verkaufsgesprächs an eine Stelle, die dir nicht gehört.

Bisher gilt eine einfache Rechnung. Du zahlst für den Klick, und ab dem Moment liegt es an deiner Seite, ob daraus eine Anfrage wird. Eine gute Landingpage kann eine mittelmäßige Kampagne retten, eine schlechte macht jede Kampagne teuer. Deshalb ist die Landingpage in fast jedem Konto der Hebel mit der größten Wirkung.

In einem Agentengespräch übernimmt ein Sprachmodell diesen Part. Es beantwortet die Rückfragen, es entscheidet, welche Leistung es in den Vordergrund stellt, und es formuliert die Einwandbehandlung. Du gibst ihm Anweisungen und Daten mit, aber du schreibst nicht mehr jeden Satz.

Das hat zwei Seiten, und es wäre unehrlich, nur eine davon zu erwähnen. Ein Gespräch kann Fragen beantworten, die auf keiner Landingpage stehen, und es kann Interessenten vorqualifizieren, bevor sie bei dir landen. Für beratungsintensive Angebote, egal ob im Handwerk, in der Steuer- und Rechtsberatung oder bei erklärungsbedürftigen B2B-Leistungen, könnte das die Anfragequalität sogar heben. Gleichzeitig verlierst du die Kontrolle über die Zwischentöne, und du bekommst ein Modell zwischen dich und deinen Kunden, das im Zweifel Dinge zusagt, die du so nie formuliert hättest.

Experten-Tipp

Der Teil, der heute schon eine Konsequenz hat, ist der unscheinbarste. Der Agent wird aus deiner Website gebaut. Was dort steht, wird zur Grundlage dessen, was er über dich erzählt. Wer Leistungen nur in Stichworten auf der Seite hat, Preise vage hält und typische Kundenfragen gar nicht beantwortet, liefert eine dünne Grundlage und bekommt entsprechend dünne oder erfundene Antworten. Eine Website, die Fragen wirklich beantwortet, war schon immer gut für Kunden und Suchmaschinen. Jetzt kommt ein dritter Grund dazu.

Die offenen Fragen, die noch niemand beantwortet hat

Bevor irgendjemand hier von einem Wendepunkt spricht, lohnt sich der Blick auf das, was schlicht ungeklärt ist.

Unklar ist, wie eine Anfrage bei dir ankommt und in welcher Form. Ein Lead, der in einem fremden System entsteht, muss den Weg in dein Postfach oder dein CRM finden, und zwar in einer Qualität, mit der du arbeiten kannst.

Unklar ist auch die Messbarkeit. Wenn ein Großteil des Gesprächs außerhalb deiner Reichweite stattfindet, siehst du nicht, an welcher Stelle Interessenten abspringen. Genau diese Information ist heute der Rohstoff für jede Verbesserung.

Ungeklärt sind zudem die Fragen rund um Datenschutz und Haftung. Wenn ein Agent im Namen deines Unternehmens Auskunft gibt, stellt sich schnell die Frage, wer für eine falsche Auskunft geradesteht. Im deutschsprachigen Raum ist das keine akademische Diskussion, gerade in Branchen mit berufsrechtlichen Vorgaben.

Und offen bleibt schließlich die schlichteste Frage. Wollen Menschen das überhaupt? Ein Teil der Nutzer wird ein Gespräch bequemer finden als eine Website. Ein anderer Teil will genau das nicht und sucht nach Telefonnummer und Impressum.

Was du jetzt sinnvollerweise tust

Nichts überstürzen ist hier die richtige Antwort, aber sie ist nicht dasselbe wie nichts tun.

Halte deine Website so, dass sie Fragen beantwortet statt nur Leistungen aufzuzählen. Das zahlt sich unabhängig davon aus, ob dieses Format kommt, und es ist die Grundlage, auf der ein Agent später aufbauen würde.

Beobachte, ob und wie viel Traffic bei dir aus KI-Systemen kommt. Wer heute schon nennenswerte Zugriffe aus dieser Richtung sieht, sollte das Thema enger verfolgen als jemand, dessen Kunden ausschließlich über die klassische Suche kommen.

Und behandle das Ganze bis auf Weiteres als Beobachtungsposten, nicht als Baustelle. Wer wissen will, wie sich Werbung in ChatGPT bisher praktisch anfühlt, findet in den ersten Praxiserkenntnissen zu ChatGPT Ads den nüchterneren Teil der Geschichte.

Bemerkenswert ist die Richtung trotzdem. Über zwanzig Jahre lang war das Ziel jeder Anzeige eine Seite, die dem Werbetreibenden gehört. Dass jetzt ernsthaft daran gearbeitet wird, diesen Ort durch ein Gespräch zu ersetzen, ist die größere Nachricht als jedes einzelne Feature.

Deine Checkliste

Empfohlener Ablaufplan für die Umsetzung:

Checkliste
  • Website auf Fragen prüfen. Geh durch, ob deine Seite die typischen Kundenfragen wirklich beantwortet oder nur Leistungen auflistet.
  • Herkunft der Zugriffe beobachten. Schau nach, ob und wie viel Traffic bei dir bereits aus KI-Systemen kommt.
  • Bestehende Kanäle nicht vernachlässigen. Solange das Format ein Test ist, bleibt die klassische Suche der verlässliche Kanal.
  • Thema im Blick behalten. Setz dir eine Erinnerung, in einigen Monaten zu prüfen, ob das Format über den Testkreis hinausgewachsen ist.

Verlierst du mit Google Ads mehr Geld, als du solltest?

Seit 2013 Google Ads für deutsche KMUs
Jährliche Werbebudgets im Millionenbereich verantwortet
5,0 von 5 bei ProvenExpert
Kostenloser Google Ads Check →
Benjamin Häntzschel

Benjamin Häntzschel

Google Ads, KI & Conversion-Optimierung

Das könnte dich auch interessieren