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Zielgruppenausrichtung in Google Ads: Beobachtung vs. Ausrichtung richtig einsetzen
· Aktualisiert am Google Ads Lexikon 8 Min. Lesezeit

Zielgruppenausrichtung in Google Ads: Beobachtung vs. Ausrichtung richtig einsetzen

Das Wichtigste zusammengefasst

Wenn du in Google Ads einer Kampagne eine Zielgruppe hinzufügst, entscheidest du gleichzeitig, wie diese Zielgruppe wirkt. “Beobachtung” sammelt Daten, ohne deine Reichweite einzuschränken. “Ausrichtung” begrenzt, wer deine Anzeige überhaupt sehen kann. Welche Einstellung wann sinnvoll ist, hängt vor allem vom Kampagnentyp ab.

In Google Ads gibt es einen Unterschied, der auf den ersten Blick klein wirkt, aber große Konsequenzen hat: Wenn du einer Kampagne eine Zielgruppe hinzufügst, wählst du gleichzeitig, ob diese Zielgruppe deine Reichweite einschränkt oder nur beobachtet wird.

Ich sehe diesen Fehler regelmäßig in Accounts, die mir zur Optimierung übergeben werden. Jemand hat Zielgruppen hinterlegt, meint damit alles richtig zu machen, aber dabei unbeabsichtigt die Auslieferung auf einen Bruchteil der eigentlichen Zielgruppe reduziert. Oder umgekehrt: Zielgruppen wurden auf “Beobachtung” gelassen, obwohl bei Display-Kampagnen eine klare Einschränkung das Ziel gewesen wäre.

Dieser Post erklärt den zentralen Unterschied zwischen beiden Einstellungen und zeigt, wann welche die richtige Wahl ist.

Was ist Zielgruppenausrichtung in Google Ads?

Zielgruppenausrichtung bedeutet, dass du bestimmten Nutzergruppen eine Rolle in deiner Kampagne zuweist. Diese Gruppen können auf Interessen, Verhalten, demografischen Merkmalen oder bisherigen Interaktionen mit deiner Website basieren.

Der entscheidende Punkt ist aber nicht, welche Zielgruppe du hinterlegst, sondern mit welcher Einstellung. Google Ads bietet hier zwei Optionen:

  • Bei Beobachtung laufen deine Anzeigen wie gewohnt. Die Zielgruppe wird nur mitgeloggt, damit du Leistungsdaten für diese Gruppe separat einsehen kannst.
  • Bei Ausrichtung werden deine Anzeigen nur noch Nutzern gezeigt, die zu dieser Zielgruppe gehören. Alle anderen sehen deine Anzeige nicht.

Das klingt simpel, hat aber je nach Kampagnentyp sehr unterschiedliche Auswirkungen.

Wo findest du die Einstellung?

In einer aktiven Kampagne gehst du zu “Zielgruppen” (im linken Menü unter der Kampagne oder Anzeigengruppe). Dort siehst du unter dem Reiter “Ausrichtung” die hinterlegten Segmente. Neben jedem Segment steht, ob es auf “Beobachtung” oder “Ausrichtung” gestellt ist. Du kannst das jederzeit umschalten.

Der zentrale Unterschied: Beobachtung vs. Ausrichtung

Beobachtung

Bei der Beobachtungseinstellung ändert sich an deiner Anzeigenauslieferung nichts. Die Anzeigen laufen weiterhin nach den normalen Kriterien der Kampagne, also bei Search-Kampagnen nach Keywords, bei Display nach Placement-Targeting oder thematischen Ausrichtungen.

Was sich ändert: Google segmentiert die Leistungsdaten. Du kannst in den Reports sehen, wie Nutzer aus dieser Zielgruppe im Vergleich zu allen anderen abschneiden. Und du kannst Gebotsanpassungen hinterlegen, also zum Beispiel für Nutzer aus einer bestimmten Zielgruppe 20 % mehr bieten.

Beobachtung ist im Grunde ein Datentool. Du sammelst, bevor du entscheidest.

Ausrichtung

Die Ausrichtungseinstellung schränkt ein. Nur Nutzer, die zur hinterlegten Zielgruppe gehören, bekommen deine Anzeige zu sehen. Alle anderen fallen raus.

Das ist nützlich, wenn du ganz gezielt eine bestimmte Gruppe ansprechen willst und Streuverluste aktiv vermeiden möchtest. Gleichzeitig reduziert es deine potenzielle Reichweite deutlich, was bei kleineren Zielgruppen dazu führen kann, dass kaum noch Ausspielungen stattfinden.

Ausrichtung bei Search: Fast immer ein Fehler

Bei Search-Kampagnen willst du in der Regel alle Nutzer erreichen, die nach deinen Keywords suchen, unabhängig davon, ob sie in einer deiner Zielgruppen sind oder nicht. Die Einstellung “Ausrichtung” auf Zielgruppen in Search-Kampagnen reduziert deine Reichweite massiv und sorgt für entgangene Impressionen. Das ist fast nie das Ziel.

Wann Beobachtung die richtige Einstellung ist

Search-Kampagnen: Fast immer Beobachtung

Bei Search richtet sich deine Anzeige nach Keywords. Das heißt, wer nach deinem Suchbegriff sucht, ist grundsätzlich relevant, egal ob er in einer deiner Zielgruppen ist oder nicht.

Beobachtung ist hier die Standard-Einstellung, und sie sollte es auch bleiben. Du sammelst Daten darüber, wie verschiedene Zielgruppen-Segmente auf deine Anzeigen reagieren. Konvertieren Nutzer einer bestimmten Gruppe deutlich besser als der Durchschnitt? Dann erhöhst du das Gebot für diese Gruppe per Gebotsanpassung. Du verlierst aber keine Reichweite.

Ich füge bei Search-Kampagnen standardmäßig mehrere Beobachtungs-Zielgruppen hinzu: Websitebesucher der letzten 30 Tage, kaufbereite Zielgruppen zum Thema und bei Bestandskunden-Accounts auch Custom Audiences auf Basis von E-Mail-Listen. Nicht um einzuschränken, sondern um Daten zu haben.

Experten-Tipp

Beobachte anfangs mehr als du denkst zu brauchen. 5 bis 10 Segmente parallel zu beobachten kostet nichts, gibt dir aber nach ein paar Wochen ein klares Bild davon, welche Zielgruppen überdurchschnittlich gut konvertieren. Diese kannst du dann mit höheren Geboten bevorzugen.

Ausrichtung bei Search: RLSA-Kampagnen

Es gibt eine Ausnahme, bei der Ausrichtung bei Search Sinn ergibt: sogenannte RLSA-Kampagnen (Remarketing Lists for Search Ads). Dabei richtest du eine separate Kampagne oder Anzeigengruppe explizit nur an Nutzer aus, die deine Website schon besucht haben.

Der Gedanke dahinter: Diese Nutzer kennen dich bereits und haben andere Absichten als Erstbesucher. Du kannst ihnen andere Anzeigentexte zeigen, andere Keywords buchen oder aggressiver bieten.

Für diese spezielle Konstellation ist Ausrichtung auf Zielgruppen bei Search tatsächlich das richtige Vorgehen. Aber es ist eine bewusste Strategie, keine versehentliche Einstellung.

Wann Ausrichtung die richtige Einstellung ist

Display- und YouTube-Kampagnen: Ausrichtung ist oft notwendig

Im Google Display Netzwerk und bei YouTube-Kampagnen funktioniert Targeting grundlegend anders als bei Search. Es gibt keine Keywords, die die Ausspielung steuern. Wenn du hier keine Einschränkung machst, läuft deine Anzeige potenziell vor einem sehr breiten Publikum.

In diesem Kontext ist Ausrichtung auf Zielgruppen oft sinnvoll: Du willst zum Beispiel nur Nutzer erreichen, die deine Website schon besucht haben (Remarketing), oder nur Personen in kaufbereiten Zielgruppen zu einem bestimmten Thema.

Kampagnentypen im Überblick

Beobachtung ist der richtige Standard für Search-Kampagnen, weil Keywords die Reichweite bereits vorfiltern. Ausrichtung macht Sinn bei Display und YouTube, wo du ohne Einschränkung sehr breit ausgeliefert wirst und aktiv eingrenzen möchtest.

Performance Max: Zielgruppen als Signale

Bei Performance-Max-Kampagnen funktioniert die Logik wieder anders. Dort gibt es keine klassische Beobachtung oder Ausrichtung auf Zielgruppen. Stattdessen hinterlegst du Zielgruppen-Signale in den Asset Groups. Diese Signale sagen Google, mit welchen Nutzergruppen du starten willst. Google lernt dann eigenständig weiter.

Das ist kein direktes Targeting im Sinne von “nur diese Nutzer sehen die Anzeige”, sondern ein Ausgangspunkt für den Algorithmus. Trotzdem ist es wichtig, sinnvolle Signale zu hinterlegen.

Kombination von Zielgruppen

Du kannst mehrere Zielgruppen gleichzeitig hinterlegen, gemischt aus Beobachtung und Ausrichtung. Das ergibt aber nur in sehr spezifischen Fällen Sinn.

Was häufiger relevant ist: Mehrere Zielgruppen auf Ausrichtung zu kombinieren und dabei zu beachten, ob Google sie mit ODER oder UND verknüpft. Standard ist ODER, das heißt, ein Nutzer muss nur einer Zielgruppe angehören, um deine Anzeige zu sehen. Das ist in den meisten Fällen richtig.

Eine UND-Verknüpfung schränkt noch stärker ein (ein Nutzer muss gleichzeitig in mehreren Segmenten sein) und kann die Zielgruppe sehr klein machen. Das ist eher ein Edge Case für sehr spezifische Remarketing-Szenarien.

Typische Fehler bei der Zielgruppenausrichtung

Der häufigste Fehler. Eine Zielgruppe wird auf “Ausrichtung” gestellt, und die Kampagne verliert sofort den Großteil ihrer möglichen Impressionen. Oft fällt das nicht sofort auf, weil die Kampagne noch läuft, nur mit viel weniger Volumen.

Zu viele Zielgruppen auf einmal beobachten

Beobachtung ist kostenlos, aber 20+ Segmente gleichzeitig zu beobachten macht die Auswertung unübersichtlich. Mit 5 bis 10 gut gewählten Segmenten bekommst du deutlich verwertbarere Daten.

Zielgruppen hinzufügen, aber nie auswerten

Beobachtung macht nur dann Sinn, wenn du nach einigen Wochen tatsächlich in die Daten schaust und Gebotsanpassungen vornimmst oder Entscheidungen ableitest. Wenn die Daten nie genutzt werden, war das Hinzufügen überflüssig.

Zu kleine Zielgruppen auf Ausrichtung stellen

Google braucht eine Mindestgröße, um Zielgruppen für die Auslieferung zu nutzen (in der Regel mindestens 1.000 aktive Nutzer bei Search, 100 bei Display). Kleinere Listen führen dazu, dass Anzeigen gar nicht oder kaum ausgespielt werden.

Ausrichtung auf kleine Listen

Wenn du eine Zielgruppe auf Ausrichtung stellst und die Liste weniger als 1.000 aktive Nutzer hat (bei Search), wird Google die Anzeige kaum oder gar nicht ausliefern. Beobachtung hat diese Einschränkung nicht, weil die Liste die Auslieferung ja nicht begrenzt.

FAQ

Was ist der Unterschied zwischen Beobachtung und Ausrichtung in Google Ads?

Bei Beobachtung laufen deine Anzeigen ganz normal weiter. Die Zielgruppe wird nur für Reporting und optionale Gebotsanpassungen genutzt, schränkt aber die Reichweite nicht ein. Bei Ausrichtung sehen nur Nutzer deine Anzeige, die zur hinterlegten Zielgruppe gehören. Alle anderen werden ausgeschlossen.

Wann sollte ich Ausrichtung bei Search verwenden?

Eigentlich fast nie als Standardeinstellung. Ausrichtung bei Search macht nur in speziellen RLSA-Kampagnen Sinn, wo du gezielt Nutzer ansprechen willst, die deine Website schon besucht haben, und das als separate Strategie behandelst.

Kann ich Beobachtung und Ausrichtung in einer Kampagne mischen?

Ja, das ist möglich. Einige Zielgruppen auf Beobachtung lassen, um Daten zu sammeln, und andere auf Ausrichtung setzen, um gezielt einzuschränken, kann in bestimmten Kampagnen sinnvoll sein. Bei Search würde ich aber generell davon abraten.

Was passiert, wenn ich keine Zielgruppen hinterlege?

Dann läuft die Kampagne ohne Zielgruppen-Segmentierung. Das ist bei Search völlig normal und funktioniert. Du verlierst nur die Möglichkeit, Daten pro Zielgruppe einzusehen und Gebotsanpassungen zu hinterlegen.

Gilt die Einstellung auf Kampagnen- oder Anzeigengruppen-Ebene?

Beides ist möglich. Zielgruppen können auf Kampagnenebene oder auf Anzeigengruppen-Ebene hinterlegt werden. Auf Anzeigengruppen-Ebene hast du mehr Kontrolle, weil du innerhalb einer Kampagne unterschiedliche Einstellungen für verschiedene Anzeigengruppen machen kannst.

Checkliste: Zielgruppenausrichtung richtig einsetzen
  • Search-Kampagnen: Zielgruppen auf Beobachtung lassen, nicht auf Ausrichtung
  • 5 bis 10 relevante Segmente zur Beobachtung hinzufügen (Websitebesucher, kaufbereite Zielgruppen, Custom Audiences)
  • Nach 4 bis 6 Wochen Leistungsdaten pro Zielgruppe auswerten
  • Gebotsanpassungen für besonders gut konvertierende Segmente hinterlegen
  • Display/YouTube: Ausrichtung auf Zielgruppen aktiv einsetzen, um Streuverluste zu reduzieren
  • Listengröße prüfen: Bei Ausrichtung mindestens 1.000 aktive Nutzer (Search) sicherstellen
  • RLSA-Strategie: Separate Kampagnen/Anzeigengruppen für Websitebesucher mit Ausrichtung

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Benjamin Häntzschel

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