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Kundenakquisition-Ziel in Google Ads: Neue Kunden gezielt ansprechen
· Aktualisiert am Google Ads Lexikon 9 Min. Lesezeit

Kundenakquisition-Ziel in Google Ads: Neue Kunden gezielt ansprechen

Das Wichtigste zusammengefasst

Das Kundenakquisition-Ziel in Google Ads ermöglicht es, Kampagnen gezielt auf Neukunden zu optimieren, statt alle Conversions gleich zu behandeln. Google bekommt dabei eine Information darüber, welche Nutzer bereits Kunden sind, und kann die Gebotsstrategie so ausrichten, dass primär neue Personen angesprochen werden. Das klingt simpel, hat aber ein paar Voraussetzungen, die du kennen solltest, bevor du es aktivierst.

Was ist das Kundenakquisition-Ziel?

Das Kundenakquisition-Ziel ist eine Funktion in Google Ads, die Smart Bidding darüber informiert, ob eine Conversion von einem neuen oder einem bestehenden Kunden stammt. Wenn du es aktivierst, kann Google höhere Gebote für potenzielle Neukunden abgeben, weil du Google signalisierst, dass Neukunden für dich wertvoller sind.

Ohne diese Einstellung behandelt Google Ads alle Conversions gleich. Ein Bestandskunde, der zum dritten Mal kauft, und jemand, der noch nie bei dir war, zählen gleich viel. Das ist für viele Unternehmen nicht optimal, weil der wahre Wert eines neuen Kunden höher ist, schließlich bringt er ein ganzes zukünftiges Kaufvolumen mit.

Wo findest du das Kundenakquisition-Ziel?

In Google Ads unter den Kampagneneinstellungen (bei Search- und Shopping-Kampagnen sowie Performance Max). Es erscheint als Option unter “Conversions” oder “Ziele” in den Kampagneneinstellungen. Der genaue Pfad variiert je nach Kampagnentyp.

Warum unterscheidet Google zwischen Neu- und Bestandskunden?

Die Logik ist folgende: Ein Unternehmen hat typischerweise drei Gruppen von Nutzern, die auf Google suchen und auf eine Anzeige stoßen könnten.

Erstens gibt es Personen, die noch nie mit dir zu tun hatten, echte Neukunden. Zweitens gibt es Bestandskunden, die bereits gekauft haben und eventuell erneut kaufen. Drittens gibt es Personen, die dich schon kennen, aber noch nicht gekauft haben.

Bei Smart Bidding ohne Neukunden-Optimierung werden alle drei Gruppen gleich bewertet. Das kann dazu führen, dass ein erheblicher Teil des Werbebudgets darauf verwendet wird, Bestandskunden zurückzubringen, die sowieso wiedergekauft hätten. Das ist nicht unbedingt falsch, aber wenn dein vorrangiges Ziel Wachstum durch neue Kunden ist, ist es ineffizient.

Das Kundenakquisition-Ziel gibt Google die Information, welche Conversions von neuen Personen stammen, damit das Bidding-System gezielt mehr Budget in diese Gruppe investieren kann.

Was du brauchst, damit es funktioniert

Das Kundenakquisition-Ziel ist kein einfacher Schalter, der sofort wirkt. Es gibt Voraussetzungen.

Eine Kundenliste

Google muss wissen, wer bereits Kunde bei dir ist. Das geht über eine hochgeladene Kundenliste (Customer Match) mit E-Mail-Adressen, Telefonnummern oder Postanschriften. Je aktueller und vollständiger diese Liste ist, desto besser kann Google unterscheiden.

Datenschutz und DSGVO

Beim Upload von Kundendaten an Google gelten strenge Anforderungen. Du darfst nur Daten von Personen übermitteln, die dem explizit zugestimmt haben. Customer Match ist in der EU nur für Nutzer verfügbar, die zugestimmt haben, dass ihre Daten für Werbezwecke genutzt werden. Prüfe vor der Nutzung, ob deine Datenschutz-Einwilligungen das abdecken.

Conversion-Tracking mit Neukunden-Signal

Du kannst auch direkt im Conversion-Tag ein Signal mitsenden, ob es sich um einen Neukunden handelt. Das funktioniert über einen Parameter im Google Tag, der bei einer Conversion mitgibt: “Diese Person ist ein Neukunde” oder “Diese Person ist ein Bestandskunde”. Das ist technisch etwas aufwendiger, aber präziser als eine hochgeladene Liste.

Ausreichende Conversion-Daten

Smart Bidding braucht Daten, um zu lernen. Wenn deine Kampagne kaum Conversions hat, wird das Neukunden-Ziel wenig Wirkung haben, weil der Algorithmus nicht genug Material hat, um daraus zu lernen. Als Faustregel gilt: mindestens 30-50 Conversions pro Monat, bevor solche Feineinstellungen sinnvoll greifen.

Die zwei Modi des Kundenakquisition-Ziels

Google bietet zwei Varianten an, wie das Ziel angewendet wird.

Modus 1: Neukunden höher werten

In diesem Modus behältst du die normale Optimierung bei, aber du teilst Google mit, dass Neukunden-Conversions mehr wert sind als Bestandskunden-Conversions. Du kannst angeben, um wie viel Prozent ein Neukunde wertvoller ist. Google berücksichtigt das dann bei den Geboten.

Beispiel: Wenn eine normale Conversion 50 Euro wert ist, du aber Neukunden 100 Euro wert einschätzt, wird Google versuchen, höhere Gebote für potenzielle Neukunden abzugeben. Das funktioniert gut bei Target-CPA- oder Target-ROAS-Strategien.

Modus 2: Nur auf Neukunden optimieren

Hier geht Google einen Schritt weiter und versucht, Conversions ausschließlich von Neukunden zu erzielen. Bestandskunden-Conversions zählen in dieser Einstellung nicht mehr. Das ist aggressiver und kann kurzfristig die Conversion-Zahlen drücken, weil ein Teil der bisher gezählten Conversions (Bestandskunden) nun aus der Rechnung fällt.

Experten-Tipp

Für die meisten kleinen und mittelgroßen Unternehmen ist Modus 1 der bessere Einstieg. Modus 2 ist sinnvoll, wenn du ein sehr klares Neukundenwachstumsziel hast und dir bewusst bist, dass deine Gesamt-Conversion-Zahlen sinken werden, auch wenn das Geschäft eigentlich wächst. Achte darauf, dass Geschäftsführung oder Auftraggeber das wissen, bevor du umstellst.

Wann ist das Kundenakquisition-Ziel sinnvoll?

Nicht für jedes Unternehmen ist diese Funktion relevant. Ich würde sie in folgenden Situationen in Betracht ziehen:

E-Commerce mit hohem Wiederkaufsanteil. Wenn du feststellst, dass ein großer Teil deiner Conversions von Bestandskunden kommt, die sowieso wiederkaufen würden, kannst du damit gezielter investieren.

Wachstumsphase. Wenn du das Unternehmen aktiv ausbauen willst und Neukundenwachstum das primäre Ziel ist, macht es Sinn, Google genau das zu signalisieren.

Wenn du Kundenlisten aus einem CRM hast. Wenn du bereits saubere Kundendaten hast und Customer Match nutzt, kostet die Aktivierung kaum Mehraufwand und kann die Effizienz verbessern.

Ich würde es dagegen nicht aktivieren, wenn deine Kundenliste sehr klein oder veraltet ist. Dann ist Googles Fähigkeit, Neu- von Bestandskunden zu unterscheiden, zu eingeschränkt. Das Bidding-System bekommt dann unzuverlässige Signale und kann nicht sinnvoll reagieren.

Auch bei sehr kleinen Werbebudgets (unter 500-800 Euro monatlich) würde ich mich erst auf sauberes Basis-Tracking konzentrieren, bevor ich solche fortgeschrittenen Einstellungen anpacke.

Performance Max und das Kundenakquisition-Ziel

Bei Performance-Max-Kampagnen hat das Kundenakquisition-Ziel eine besondere Bedeutung. PMax optimiert über alle Kanäle hinweg und hat naturgemäß einen hohen Anteil an Display- und YouTube-Auslieferungen, wo Retargeting eine große Rolle spielt.

Wenn du bei PMax keine Neukunden-Priorisierung einstellst, kann ein erheblicher Teil des Budgets dafür genutzt werden, bereits bekannte Nutzer erneut anzusprechen. Das ist nicht per se falsch, aber wenn du wächst, möchtest du in der Regel mehr Menschen erreichen, die noch nichts von dir wissen.

Die Aktivierung des Kundenakquisition-Ziels bei PMax signalisiert dem Algorithmus, dass er stärker in Reichweite bei neuen Personen investieren soll, statt nur bei bereits bekannten Nutzern zu retargeten.

Zielgruppensignale bei PMax

Bei Performance Max kannst du zusätzlich Zielgruppensignale hinterlegen. Eine Kombination aus dem Kundenakquisition-Ziel und einem negativen Ausschluss deiner Bestandskunden-Liste (als Datensegment) kann helfen, das Budget noch gezielter auf echte Neukunden auszurichten.

Häufige Fragen zum Kundenakquisition-Ziel

Muss ich Customer Match nutzen, damit das funktioniert?

Customer Match ist die zuverlässigste Methode, damit Google weiß, wer bereits Kunde ist. Alternativ funktioniert das Neukunden-Signal im Conversion-Tag. Ohne eine dieser beiden Datenquellen kann Google nur auf Basis von Signalen schätzen, ob jemand Neukunde ist, was deutlich ungenauer ist.

Was passiert, wenn meine Kundenliste veraltet ist?

Google klassifiziert dann mehr Nutzer als potenzielle Neukunden, weil viele Bestandskunden nicht auf der Liste stehen. Das führt dazu, dass das Neukunden-Gebot häufig getriggert wird, auch wenn es sich eigentlich um Bestandskunden handelt. Daher: regelmäßige Aktualisierung der Kundenliste ist Pflicht.

Kann ich das Kundenakquisition-Ziel testen, ohne alles umzustellen?

Ja. Du kannst das Ziel in Modus 1 mit einem niedrigen Wertaufschlag für Neukunden starten und beobachten, wie sich die Kampagne verändert. Das ist eine wenig invasive Art, sich an die Funktion heranzutasten.

Sinken meine Conversion-Zahlen, wenn ich auf Modus 2 wechsle?

Sehr wahrscheinlich, zumindest kurzfristig. Wenn Bestandskunden-Conversions nicht mehr gezählt werden und dein bisheriger Conversion-Mix einen erheblichen Bestandskunden-Anteil hatte, gehen die absoluten Zahlen zurück. Das bedeutet aber nicht, dass die Kampagne schlechter läuft. Du musst dann nach anderen Kennzahlen schauen, zum Beispiel nach dem Anteil echter Neukunden unter deinen Conversions.

Eignet sich das Kundenakquisition-Ziel für B2B?

Grundsätzlich ja, aber B2B-Kaufzyklen sind oft lang und die Anzahl der Conversions klein. Das macht es schwerer, dem Algorithmus genug Daten zu geben. In typischen B2B-Setups mit wenigen Leads pro Monat ist das Kundenakquisition-Ziel oft noch nicht das dringlichste Optimierungsthema.

Wie viel wert ist ein Neukunde wirklich?

Damit das Kundenakquisition-Ziel sinnvoll eingerichtet werden kann, musst du für Modus 1 einen Wertaufschlag definieren. Das bedeutet: Du musst eine Antwort darauf haben, wie viel mehr dir ein Neukunde im Vergleich zu einem Bestandskunden wert ist.

Das ist keine Google-Frage, sondern eine Unternehmensfrage. Und viele Unternehmer haben darauf keine genaue Antwort, was verständlich ist. Eine grobe Annäherung geht so:

Schau dir an, wie hoch der durchschnittliche Customer Lifetime Value (CLV) deiner Kunden ist. Wenn ein Bestandskunde im Schnitt drei Mal kauft und ein Neukunde die Chance auf alle drei Käufe mitbringt, dann ist ein Neukunde grob gesagt drei Mal so wertvoll wie ein einzelner Wiederkauf. Das ist natürlich vereinfacht, gibt aber eine Richtung.

Keine genauen Zahlen? Kein Problem

Du musst den Wertaufschlag nicht auf den Cent genau kennen. Starte mit einem konservativen Aufschlag von 20-30 % und beobachte, wie die Kampagne reagiert. Du kannst den Wert später anpassen. Ein ungefährer Wert ist besser als kein Wert, solange du weißt, dass du nachjustieren wirst.

Es lohnt sich trotzdem, sich zumindest grob damit zu beschäftigen. Wenn du weißt, dass ein Neukunde im Schnitt drei Jahre bleibt und regelmäßig kauft, rechtfertigt das höhere Akquisitionskosten pro Conversion. Diese Erkenntnis verändert, wie du das gesamte Budget beurteilst, nicht nur das Kundenakquisition-Ziel.

Deine Checkliste

Checkliste
  • Kundenliste vorhanden und aktuell? Customer Match braucht aktuelle Daten, um sinnvoll zu funktionieren.
  • Datenschutz geprüft? Customer Match nur mit DSGVO-konformen Einwilligungen nutzen.
  • Ausreichende Conversion-Datenbasis? Mindestens 30-50 Conversions pro Monat, bevor diese Einstellung greift.
  • Modus gewählt. Modus 1 (Wert aufschlagen) oder Modus 2 (nur Neukunden) abhängig von deinem Ziel.
  • Erwartungen angepasst. Bei Modus 2 können Gesamt-Conversion-Zahlen sinken, auch wenn die Kampagne besser läuft.
  • Bei PMax: Zielgruppensignale kombinieren. Neukunden-Ziel zusammen mit Bestandskunden-Ausschluss als Datensegment einrichten.
  • Regelmäßige Aktualisierung der Kundenliste. Mindestens monatlich neue Kundendaten hochladen, damit Google ein aktuelles Bild hat.

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