Google hat klargestellt: AI Max entscheidet nicht nur basierend auf dem sichtbaren Suchtext, wann deine Anzeige erscheint. Das System analysiert Autocomplete-Interaktionen, Teilabfragen und Kontext-Signale, um die Absicht des Nutzers zu interpretieren. Das erklärt, warum deine Anzeigen manchmal bei Suchanfragen erscheinen, die nicht zu deinen Keywords passen.
Hast du schon mal im Suchbegriff-Report gesehen, dass deine Anzeige bei einer Suchanfrage erschien, die eigentlich gar nicht zu deinen Keywords passt? Oder dass Conversions einer Suchanfrage zugeordnet wurden, die nach klassischer Keyword-Logik nicht hätte matchen dürfen?
Das liegt nicht an einem Fehler, sondern daran, wie AI Max funktioniert. Google hat im Dezember 2024 offiziell bestätigt: AI Max verlässt sich nicht auf den sichtbaren Suchtext, sondern interpretiert die Nutzer-Absicht basierend auf einem breiteren Set an Signalen.
Was ist AI Max und warum ist es relevant?
AI Max ist Googles KI-gesteuerte Ausspielungslogik für Search-Kampagnen. Anders als klassisches Keyword-Matching analysiert AI Max die Absicht hinter einer Suchanfrage, nicht nur den Text. Dazu nutzt Google Signale wie Autocomplete-Interaktionen, Teilabfragen, Kontext und Nutzer-Historie.
AI Max ist seit 2024 verfügbar und wird schrittweise auf mehr Kampagnen ausgerollt. Es ist eng mit AI Overviews und anderen KI-gesteuerten Platzierungen verknüpft. Für viele Advertiser läuft AI Max bereits im Hintergrund, ohne dass sie es explizit aktiviert haben.
AI Max soll über reines Matching hinausgehen und vorhersagen, was Nutzer als nächstes brauchen könnten. Das klingt nach besserer Performance. Aber es bedeutet auch: Die Verbindung zwischen deinen Keywords und den Suchanfragen, bei denen du erscheinst, wird weniger vorhersagbar.
Wie funktioniert Intent-Interpretation konkret?
Google hat erklärt, dass AI Max Relevanz nicht nur am sichtbaren Suchtext festmacht, sondern an inferred intent – also an der interpretierten Absicht.
Ein konkretes Beispiel: Ein Nutzer tippt „Anwalt Arb“ ein. Google schlägt per Autocomplete „Anwalt Arbeitsrecht Hamburg“ vor. Der Nutzer wählt den Vorschlag nicht aus, sondern tippt weiter oder ändert die Suche. Trotzdem kann AI Max deine Anzeige für „Anwalt Arbeitsrecht Hamburg“ ausspielen, weil das System die Absicht aus dem Autocomplete-Signal ableitet.
Laut Search Engine Roundtable bestätigte Googles Ads Liaison Ginny Marvin: Matching kann aufgrund von Autocomplete-Vorschlägen erfolgen, auch wenn der Nutzer den Vorschlag nicht auswählt.
Das bedeutet: Deine Anzeige erscheint möglicherweise bei Nutzern, deren finale Suchanfrage gar nicht zu deinen Keywords passt, weil Google einen früheren Schritt in deren Suchprozess als relevantes Signal wertet.
Welche Signale nutzt AI Max noch?
Autocomplete ist nur ein Beispiel. Google nutzt eine Reihe von Signalen, um Absicht zu interpretieren.
Teilabfragen
Wenn ein Nutzer „Anwalt Arbeit“ eintippt und dann pausiert, kann AI Max bereits Anzeigen für „Anwalt Arbeitsrecht“ ausspielen, bevor der Nutzer die Suche beendet.
Kontext der vorherigen Suche
Hat ein Nutzer zuvor nach „Kündigung Arbeitsvertrag“ gesucht und sucht jetzt nach „Anwalt Hamburg“, kann AI Max die beiden Suchen verknüpfen und Anzeigen für Arbeitsrecht-Anwälte zeigen.
Verhaltensmuster
Google analysiert, wie Nutzer mit Suchergebnissen interagieren, welche Seiten sie besuchen und wie lange sie dort bleiben. Das fließt in die Absichts-Interpretation ein.
Geräte- und Standort-Signale
Sucht jemand von einem Smartphone in der Nähe einer Anwaltskanzlei nach „Beratung“, kann AI Max das als höhere Conversion-Wahrscheinlichkeit werten.
Diese Signale führen dazu, dass AI Max Anzeigen ausspielt, die nach klassischer Keyword-Logik nicht hätten matchen dürfen.
Warum siehst du das nicht im Suchbegriff-Report?
Ein häufiges Problem: Der Suchbegriff-Report zeigt nur die finale Suchanfrage, nicht die Signale, die zur Ausspielung geführt haben.
Wenn ein Nutzer „Anwalt Arb“ tippt, Autocomplete „Anwalt Arbeitsrecht Hamburg“ vorschlägt und AI Max daraufhin deine Anzeige zeigt, siehst du im Report möglicherweise nur die finale Suchanfrage, die der Nutzer tatsächlich abgeschickt hat. Das kann etwas völlig anderes sein – etwa „Rechtsberatung Hamburg“ oder „Hilfe Kündigung“. Der Autocomplete-Vorschlag wird nicht sichtbar.
Google hat angekündigt, die Transparenz in den nächsten Quartalen zu verbessern und Updates im Help Center bereitzustellen, um diese Use Cases besser zu erklären. Bis dahin bleibt das Problem: Du siehst Performance-Daten, kannst aber nicht immer nachvollziehen, warum bestimmte Auslieferungen stattgefunden haben.
Was bedeutet das für deine Keyword-Strategie?
AI Max verschiebt den Fokus von „Was habe ich gebucht?“ zu „Was will der Nutzer wirklich?“.
Das hat direkte Konsequenzen für deine Strategie.
Keywords werden zu Richtungsangaben
Früher waren Keywords präzise Auslöser: Du buchst „Anwalt Arbeitsrecht Hamburg“, deine Anzeige erscheint bei dieser Suchanfrage. Mit AI Max sind Keywords eher Hinweise für das System, welche Art von Intent du bedienen willst. Das System entscheidet dann selbst, bei welchen konkreten Nutzer-Signalen es deine Anzeige ausspielt.
Match Types verlieren an Bedeutung
Exact Match sollte präzise Kontrolle bieten, aber wenn AI Max Autocomplete- und Kontext-Signale nutzt, spielt die Match Type eine geringere Rolle. Das System kann deine Anzeige ausspielen, auch wenn die sichtbare Suchanfrage nicht zu deinem Exact Match Keyword passt.
Conversion-Qualität wird wichtiger als Query-Relevanz
Früher hast du Performance anhand von „Passen die Suchanfragen zu meinen Keywords?“ bewertet. Mit AI Max ist die richtige Frage: „Führen die Auslieferungen zu qualifizierten Conversions?“ Der Weg dorthin ist weniger transparent, aber das Ergebnis zählt.
Viele Advertiser reagieren auf AI Max mit Kontrollverlust-Ängsten. Das ist nachvollziehbar. Aber: AI Max funktioniert nur, wenn dein Conversion-Tracking sauber ist. Investiere Zeit in präzise Conversion-Definition, klare Ziel-CPAs und regelmäßige Qualitäts-Checks. Dann kann das System in deinem Sinne optimieren.
Wie kontrollierst du AI Max, wenn Keywords weniger wichtig werden?
Kontrolle funktioniert bei AI Max anders als bei klassischen Kampagnen. Hier sind die wichtigsten Hebel.
Conversion-Signale schärfen
AI Max optimiert auf Conversions. Wenn du dem System beibringst, was eine gute Conversion ist (z.B. qualifizierte Kontaktanfrage vs. Newsletter-Anmeldung), kann es besser im Sinne deines Business optimieren. Nutze Conversion-Werte und Ziel-ROAS, wenn möglich.
Negative Keywords strategisch setzen
Auch wenn Keywords weniger deterministisch sind, funktionieren Negative Keywords weiterhin. Schließe gezielt irrelevante Themen, Branchen oder Begriffe aus. Prüfe regelmäßig den Suchbegriff-Report und erweitere deine Ausschlussliste.
Landing Pages auf Intent ausrichten
Da AI Max Intent interpretiert, sollte deine Landing Page diesen Intent erfüllen. Wenn AI Max Nutzer auf „Anwalt Arbeitsrecht Hamburg“ bringt, sollte die Seite genau das liefern – nicht eine generische Kanzlei-Homepage.
Brand-Kontrollen nutzen
Google bietet Brand-Einstellungen, die verhindern, dass deine Anzeigen bei bestimmten Marken-Suchanfragen erscheinen. Das schützt vor ungewollten Markenkonflikten, auch wenn AI Max breit interpretiert.
Performance segmentiert analysieren
Versuche, AI Max Traffic (wenn möglich) von klassischem Search Traffic zu trennen. Campaign-Experimente können helfen zu verstehen, ob AI Max inkrementellen Wert liefert oder nur Traffic umverteilt.
Solltest du AI Max nutzen oder vermeiden?
Das hängt davon ab, wie wichtig dir Transparenz und Kontrolle sind.
AI Max kann sinnvoll sein, wenn: Du starkes Conversion-Tracking hast, bereit bist, dem System Lernphase zu geben, Performance wichtiger ist als Keyword-Kontrolle und du genug Budget hast, um AI Max sinnvoll zu trainieren (mindestens 30-50 Conversions pro Monat).
AI Max ist riskant, wenn: Dein Conversion-Tracking schwach ist, du strikte Budget-Kontrolle brauchst, du in hochregulierten Branchen arbeitest (z.B. Anwälte mit Kammer-Vorgaben) oder du sehr spezifische Zielgruppen hast, die nicht über Intent-Signale gut erfasst werden.
Wichtig: Behandle AI Max als Intent-Modell, nicht als Matching-Engine. Das ändert die Erwartungshaltung grundlegend.
Wie testest du AI Max sicher?
Wenn du AI Max testen willst, ohne bestehende Performance zu gefährden, gibt es einen strukturierten Weg.
Campaign Experiment erstellen
Dupliziere eine gut laufende Search-Kampagne und aktiviere AI Max nur in der Experiment-Variante. So kannst du Performance direkt vergleichen.
Budget begrenzen
Starte mit 20-30% deines monatlichen Budgets für den Test. Das gibt genug Daten, ohne zu großes Risiko.
Klare Erfolgsmetriken definieren
Entscheide vorab, wie du Erfolg misst: CPA, Conversion-Rate, Conversion-Qualität. Nicht nur Traffic-Volumen.
Vier Wochen Lernphase einplanen
AI Max braucht Zeit, um Intent-Muster zu lernen. Bewerte Performance nicht nach einer Woche, sondern nach vier Wochen mit genug Conversion-Daten.
Conversion-Qualität prüfen
Schaue nicht nur auf Conversion-Zahlen, sondern auf Qualität: Werden aus AI Max Traffic qualifizierte Leads? Oder nur hohe Zahlen ohne Business-Wert?
AI Max ist kein Autopilot. Es verlagert Kontrolle von Keyword-Ebene auf Conversion-Ebene. Das kann funktionieren, aber nur wenn du die richtigen Conversion-Signale sendest und regelmäßig Performance-Qualität prüfst. Ohne sauberes Tracking führt AI Max zu Budgetverschwendung.
Was kommt als nächstes?
AI Max ist Teil eines größeren Trends: Google verschiebt Search Ads von Query-Matching zu Intent-Interpretation.
Das bedeutet nicht, dass Keywords verschwinden. Aber ihre Rolle ändert sich. Sie werden von präzisen Triggern zu Richtungsangaben für ein KI-System, das selbst entscheidet, wann deine Anzeige relevant ist.
Für Advertiser bedeutet das: Mehr Performance-Potenzial, aber weniger Transparenz. Wer sich darauf einstellt, kann profitieren. Wer an klassischen Keyword-Strategien festhält, riskiert, Sichtbarkeit in AI-gesteuerten Platzierungen zu verlieren.
Deine Checkliste
Empfohlener Ablaufplan für die Umsetzung:
- Conversion-Tracking prüfen. Stelle sicher, dass alle relevanten Conversions erfasst werden und Qualität messbar ist.
- Campaign Experiment aufsetzen. Dupliziere eine Search-Kampagne und aktiviere AI Max nur in der Test-Variante.
- Budget begrenzen. Starte mit 20-30% deines Budgets für den AI Max Test.
- Vier Wochen Lernphase geben. Bewerte Performance nicht zu früh, AI Max braucht Zeit zum Lernen.
- Conversion-Qualität analysieren. Prüfe, ob AI Max Traffic zu qualifizierten Leads führt, nicht nur zu hohen Zahlen.
- Entscheidung treffen. Nach vier Wochen entscheiden: Skalieren, anpassen oder stoppen.
Updates umsetzen oder Chancen verpassen?
Googles Entwicklungen zeigen eine klare Richtung: Mehr Automatisierung, strengere Datenschutz-Compliance und bessere Self-Service-Tools. Das bietet Chancen für KMUs mit begrenzten Zeitressourcen – allerdings ersetzt Technologie nie dein Geschäftsverständnis und deine Kundenkenntnis. Nutze diese Tools als Unterstützung für deine Strategie, nicht als Ersatz.
Wenn dir die Umsetzung dieser Neuerungen zu komplex erscheint, stehe ich dir zur Seite. In einem kostenlosen Beratungsgespräch identifizieren wir gemeinsam die für dein KMU relevantesten Maßnahmen und entwickeln einen praktikablen Implementierungsplan.